Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
116
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116 Hambiirgische Dramaturgie.

lich darüber ans, was überhaupt der Komponist zu beobachtenhabe, der in dieser neuen Gattung mit Ruhm arbeiten wolle.

Alle Symphonien, sagt er, die zu einem Schauspiele ver-fertiget werden, sollen sich auf den Inhalt und die Beschaffen-heit desselben beziehen. Es gehören also zu den Trauerspieleneine andere Art von Symphonien, als zu den Lustspielen. Soverschieden die Tragödien und Komödien unter sich selbst sind,so verschieden muß auch die dazu gehörige Musik seyn. Ins-besondere aber hat man auch wegen der verschiedenen Abtheilun-gen der Musik in den Schauspielen auf die Beschaffenheit derStellen, zu welchen eine jede Abtheilung gehört, zu sehen.Daher muß die Anfangssymphonic sich auf den ersten Auszugdes Stückes beziehen; die Symphonien aber, die zwischen denAuszügen vorkommen, müssen Theils mit dem Schlüsse des vor-hergehenden Aufzuges, Theils aber mit dem Anfange des fol-genden Auszuges übereinkommen; so wie die letzte Symphoniedem Schlüsse des letzten Auszuges gemäß seyn muß."

Alle Symphonien zu Trauerspielen müssen prächtig, feurign»d geistreich gesetzt seyn. Insonderheit aber hat man denCharakter der Hauptpersonen, und den Hauptinhalt zu bemerken,und darnach seine Erfindung einzurichten. Dieses ist von kei-ner gemeinen Folge. Wir finden Tragödien, da bald diese,bald jene Tugend eines Helden, oder einer Heldinn, der Stoffgewesen ist. Man halte einmal den Polycukt gegen den Bru-tus, oder auch die Alzire gegen den Mithridat: so wird mangleich sehen, daß sich kcincswcgcs einerley Musik dazu schicket.Ein Trauerspiel, in welchem die Religion und Gottesfurcht denHelden, oder die Heldinn, in allen Zufällen begleiten, erfordertauch solche Symphonien, die gewissermaßen das Prächtige undErnsthafte der Kirchenmusik beweisen. Wenn aber die Groß-muth, die Tapferkeit, oder die Standhaftigkcit in allerley Un-glücksfällcn im Trauerspiele herrschen: so muß auch die Musikweit feuriger und lebhafter seyn. Von dieser letztem Art sinddie Trauerspiele Eato, Brutus, Mithridat. Alzire aber undZaire erfordern hingegen schon eine etwas veränderte Musik,weil die Begebenheiten und die Charaktere in diesen Stücken