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Hamburgischc Dramaturgie,
„Da übrigens die Musik zu den Schauspielen bloß alleinaus Instrumenten bestehet, so ist eine Veränderung derselbensehr nöthig, damit die Zuhörer desto gewisser in der Aufmerk-samkeit erhalten werden, die sie vielleicht verlieren möchten,wenn sie immer einerley Instrumente hören sollten. Es istaber beynahe eine Nothwendigkeit', daß die Anfangssymphoniesehr stark und vollständig ist, und also desto nachdrücklicher insGehör falle. Die Veränderung der Znstrumente muß alsovornehmlich in den Iwischciisymphonicn erscheinen. Man mußaber wohl urtheilen, welche Znstrumente sich am besten zurSache schicken, und womit man dasjenige am gewissesten aus-drücken kann, was man ausdrücken soll. Es muß also auchhier eine vernünftige Wahl getroffen werden, wenn man seineAbsicht geschickt und sicher erreichen will. Sonderlich aber istes nicht allzu gut, wenn man in zwey aus einander folgendenZwischcnsymphonicn einerley Veränderung der Instrumente an-wendet. Es ist allemal besser lind angenehmer, wenn mandiesen Ucbclstand vermeidet."
Dieses sind die wichtigsten Regeln, um auch hier die Ton-kunst und Poesie in eine genauere Verbindung zu bringen. Zchhabe sie lieber mit den Worten eines Tonkünstlers, und zwardesjenigen vortragen wollen, der sich die Ehre der Erfindunganmaßen kann, als mit meinen. Denn die Dichter und Kunst-richtcr bekommen nicht selten von den Musicis den Vorwurf,daß sie weit mehr von ihnen erwarten und verlangen, als dieKunst zu leisten im Stande sey. Die mehrcsten müssen es vonihren Kunstverwandtcn erst hören, daß die Sache zu bewerk-stelligen ist, ehe sie die geringste Aufmerksamkeit darauf wenden.
Zwar die Regeln selbst waren leicht zu machen; sie lehrennur was geschehen soll, ohne zu sagen, wie es geschehen kann.Der Ausdruck der Leidenschaften, auf welchen alles dabey an-kömmt, ist noch einzig das Werk des Genies. Denn ob esschon Tonkünstlcr giebt und gegeben, die bis zur Bewunderungdarin» glücklich sind, so mangelt es doch unstreitig noch aneinem Philosophen, der ihnen die Wege abgelernt, und allge-meine Grundsätze ans ihren Beyspielen hergeleitet hätte. Aberje häufiger diese Beyspiele werden, je mehr sich die Materialien