Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
120
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Hamburgische Dranmlurgic.

haft für den Virtuosen, den man zu ehren vermeinet; son-dern bloß nach den Absichten, die ihr Meister dabey gehabt,und nach den Mitteln überhaupt, deren er sich, zu Erreichungderselben, bedienen wollen.

Die Anfangssymphonie bestehet aus drey Sätzen. Der ersteSatz ist ein Largo, nebst den Violinen, mit Hobocn und Flö-te»; der Grundbaß ist durch Fagotte verstärkt. Sein Ausdruckist ernsthaft; manchmal gar wild und stürmisch; der Zuhörersoll vermuthen, daß er ein Schauspiel ungefehr dieses Inhaltszu erwarten habe. Doch nicht dieses Inhalts allein; Zärtlichkeit,Reue, Gewissensangst, Unterwerfung, nehmen ihr Theil daran;und der zweyte Satz, ein Andante mit gedämpften Violinenund concertirciidcn Fagotten, beschäftiget sich also mit dunkelnund mitleidigen Klagen. In dem dritten Satze vermischen sichdie beweglichen Tonwcndungcn mit stolzen; denn die Bühne er-öffnet sich mit mehr als gewöhnlicher Pracht; Scmiramis nahetsich dem Ende ihrer Herrlichkeit; wie diese Herrlichkeit das Augespüren muß, soll sie auch das Ohr vernehmen. Der Charakterist Allcgrctto, und die Instrumente sind wie in dem ersten, au-ßer daß die Hobocn, Flöten und Fagotte mit einander einigebesondere kleinere Sätze haben.

Die Musik zwischen den Akten hat durchgängig nur einen ein-zigen Satz; dessen Ausdruck sich auf das Vorhergehende beziehet.Einen zweyten, der sich auf das Folgende bezöge, scheinet HerrAgricola also nicht zu billigen. Ich würde hiermit sehr seinesGeschmacks seyn. Denn die Musik soll dem Dichter nichts ver-derben; der tragische Dichter liebt das Unerwartete, das Uebcr-raschcndc, mehr als ein anderer; er läßt seinen Gang nichtgern voraus verrathen; und die Musik würde ihn verrathen,wenn sie die folgende Leidenschaft angeben wollte. Mit der An-fangssymphonie ist es ein anders; sie kann aus nichts Vorher-gehendes gehen; und doch muß auch sie nur den allgemeinenTon des Stücks angeben, und nicht stärker, nicht bestimmter,als ihn ungefehr der Titel angicbt. Man darf dem Zuhörerwohl das Ziel zeigen, wohin man ihn führen will, aber dieverschiedenen Wege, auf welchen er dahin gelangen soll, müs-sen ihm gänzlich verborgen bleiben. Dieser Grund wider einen

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