Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
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Haiuburgische T>r<nii.tturgie.

tcn Empsindllngm der Musik, z. E. der Freude, durch Worteauf ciucii gewissen einzeln Gegenstand der Freude einzuschränken,weil auch jene dunkeln schwanken Empfindungen noch immer sehrangenehm sind; als nothwendig es ist, abstechende widersprechendeEmpfindungen durch deutliche Vcgriffc, die nur Worte gewäh-ren können, zu verbinden, um sie durch diese Verbindung in einGanzes zu verweben, in welchem man nicht allein Mannichfal-tiges, sondern auch Uebereinstimmung des Mannichfaltigcn be-merke. Nun aber wurde, bey dem doppelten Satze zwischen denAkten eines Schauspiels, diese Verbindung erst hinten nach kom-men; wir würden es erst hinten nach erfahren, warum wir auseiner Leidenschaft in eine ganz entgegen gesetzte überspringen müssen:und das ist für die Musik so gut, als erführen wir es gar nicht.Der Sprung hat einmal seine üble Wirkung gethan, und erhat uns darum nicht weniger beleidiget, weil wir nun einsehen,das; er uns nicht hätte beleidigen sollen. Man glaube abernicht, daß so nach überhaupt alle Symphonien verwerflich seynmüßten, weil alle aus mchrcrn Sätzen bestehen, die von einan-der unterschieden sind, und deren jeder etwas anders ausdrückt,als der andere. Sie drücken etwas anders aus, aber nicht et-was vcrschicdncs; oder vielmehr, sie drücken das nehmliche, undnur auf eine andere Art auS. Eine Symphonie, die in ihrenvcrschicdncn Sätzen vcrschicdnc, sich widersprechende Leidenschaf-ten ausdrückt, ist ein musikalisches Ungeheuer; in Einer Sym-phonie muß nur Eine Leidenschaft herrschen, und jeder besondereSatz muß eben dieselbe Leidenschaft, bloß mit vcrschicdncn Ab-änderungen, es sey nun nach den Graden ihrer Stärke undLebhaftigkeit, oder nach den mancherley Vermischungen mit an-dern verwandten Leidenschaften, ertönen lassen, und in uns zuerwecken suchen. Die Anfangssymphonie war vollkommen vondieser Vcschaffcnhcit; das Ungestüme des ersten Satzes zerfließtin das Klagende des zweyten, welches sich in dem dritten zueiner Art von fcycrlichcn Würde erhebet. Ein Tonkünstlcr, dersich in seinen Symphonien mehr erlaubt, der mit jedem Satzeden Affekt abbricht, lim mit dem folgenden einen neuen ganzverschicdncn Affekt anzuheben, und auch diesen fahren läßt, umsich in cincn dritten eben so verschicdnen zu werfen; kann viel