Erster Band,
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viktrait durch Träumer. Zerstreut seyn, ein Zerstreuter, ist le-diglich nach der Analogie des Französischen gemacht. Wir wol-len nicht untersuchen, wer das Recht hatte, diese Worte zumachen; sondern wir wollen sie brauchen, nachdem sie einmalgemacht sind. Man versteht sie nunmehr, und das ist genug.
Rcgnard brachte seinen Zerstreuten im Jahre 1<>!»7 aufsTheater; und er fand nicht den geringsten Beyfall. Aber vierund dreyßig Zahr darauf, als ihn die Komödianten wiedervorsuchtcn, fand er einen so viel größcrn. Welches Publikumhatte nun Recht? Vielleicht hatten sie beyde nicht Unrecht. Je-nes strenge Publikum verwarf das Stück als eine gute förmlicheKomödie, wofür es der Dichter ohne Zweifel ausgab. Diesesgeneigtere nahm es für nichts mehr auf, als es ist; für eineFarce, für ein Posscnspicl, das zu lachen machen soll; manlachte, und war dankbar. Jenes Publikum dachte:
- non lutis ett, rilu llilluceiv rletum
^ullitoi'Is - - -
und dieses:
- A est c^uvellam tsmen Iiie «zuoc^uo virtus.
Ausser der Versification, die noch dazu sehr fehlerhaft undnachläßig ist, kann dem Rcgnard dieses Lustspiel nicht viel Mühegemacht haben. Den Charakter seiner Hauptperson fand er beydem La Bruyerc völlig entworfen. Er hatte nichts zu thun,als die vornehmsten Züge Theils in Handlung zu bringen, Theilserzehlen zu lassen. Was er von dem Scinigen hinzufügte, willnicht viel sagen.
Wider dieses Urtheil ist. nichts einzuwenden; aber wider eineandere Kritik, die den Dichter auf der Seite der Moralitätfassen will, desto mehr. Ein Zerstreuter soll kein Aorwurf fürdie Komödie seyn. Warum nicht? Zerstreut seyn, sagt man,sey eine Krankheit, ein Unglück; und kein Laster. Ein Zer-streuter verdiene eben so wenig ausgelacht zu werden, als einerder Kopfschmerzen hat. Die Komödie müsse sich nur mit Feh-lern abgeben, die sich verbessern lassen. Wer aber von Naturzerstreut sey, der lasse sich durch Spöttcrcycn eben so wenigbessern, als ein Hinkcndcr.