Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

erster Band.

135

gclb ist; der bcydcs ist, der von dicscr Seite so, von der an-dern anders erscheinet; ein Spielwcrk der Mode, ein Gauckcl-putz für Kinder.

Nun urtheile man, ob der große Corneille seinen Stoffmehr als ein Genie, oder als ein witziger Kopf bearbeitet habe.Es bedarf zu dieser Beurtheilung weiter nichts, als die An-wendung eines Satzes, den niemand in Zweifel zieht- das Genieliebt Einfalt; der Witz, Verwicklung.

Cleopatra bringt, in der Geschichte, ihren Gemahl aus Ei-fersucht um. Aus Eifersucht? dachte Corneille: das wäre jaeine ganz gemeine Frau; nein, meine Cleopatra muß eine Hel-dinn seyn, die noch wohl ihren Mann gern verlohrcn hätte,aber durchaus nicht den Thron; daß ihr Mann Rodoguncnliebt, muß sie nicht so sehr schmerzen, als daß Rodogune Kö-niginn seyn soll, wie sie; das ist weit erhabner.

Ganz recht; weit erhabner und weit unnatürlicher. Denneinmal ist der Stolz überhaupt ein unnatürlicheres, ein gekünstel-teres Laster, als die Eifersucht. Zwcytcns ist der Stolz einesWeibes noch unnatürlicher, als der Stolz eines Mannes. DieNatur rüstete das weibliche Geschlecht zur Liebe, nicht zu Gc-waltseligkcitcn aus; es soll Zärtlichkeit, nicht Furcht erwecken;nur seine Reitze sollen es mächtig machen; nur durch Liebkosun-gen soll es herrschen, und soll nicht mehr beherrschen wollen,als es gemessen kann. Eine Frau, der das Herrschen, bloß desHerrschcns wegen, gefällt, bey der alle Neigungen dem Ehrgcitzeuntergeordnet sind, die keine andere Glückseligkeit kennet, alszu gebiethen, zu tyrannisircn, und ihren Fuß ganzen Völkernauf den Nacken zu setzen; so eine Frau kann wohl einmal, auchmehr als einmal, wirklich gewesen seyn, aber sie ist dem ohn-gcachlet eine Ausnahme, und wer eine Ausnahme schildert, schil-dert ohnstrcitig das minder Natürliche. Die Cleopatra desCorneille, die so eine Frau ist, die, ihren Ehrgeitz, ihren belei-digten Stolz zu befriedigen, sich alle Verbrechen erlaubet, diemit nichts als mit machiavellischen Maximen um sich wirft, ist einUngeheuer ihres Geschlechts, und Mcdca ist gegen ihr tugend-haft und liebenswürdig. Denn alle die Grausamkeiten, welcheMcdca begeht, begeht sie aus Eifersucht. Einer zärtlichen, ei.