Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

erster Band.

lt5

gar nicht gefallen. Hernach lebte, zu Anfange dcS itzigcn Jahr-hunderts, irgendwo in Italien , ein Pedant, der halte den Kopfvon den Trauerspielen der Griechen und seiner Landcslcute dessechzehnten Scculi voll, und der fand an der Rodogunc glcich-fals vieles auszusetzen. Endlich kam vor einigen Jahren sogarauch ein Franzose, sonst ein gewaltiger Verehrer des Corncillc-schcn Namens, (denn, weil er reich war, und ein sehr gutesHerz hatte, so nahm er sich einer armen verlaßncn Enkelinndieses großen Dichters an, ließ sie unter seinen Augen erziehen,lehrte sie hübsche Verse machen, sammelte Allmoscn für sie,schrieb zu ihrer Aussteuer einen großen einträglichen Coimncntarüber die Werke ihres Großvaters u. s. w.) aber gleichwohl er-klärte er die Rodogunc für ein sehr ungereimtes Gedicht, undwollte sich des TodcS verwundern, wie ein so großer Mann,als der große Corneille, solch widersinniges Zeug habe schreibenkönnen. Bey einem von diesen ist der Dramaturgist ohnstrci-tig in die Schule gegangen; und aller Wahrscheinlichkeit nachbey dem letzter»; denn es ist doch gemeiniglich ein Franzose, derden Ausländern über die Fehler eines Franzosen die Augen er-öffnet. Diesem ganz gewiß betet er nach; oder ist es nichtdiesem, wenigstens dem Welschen, wo nicht gar dem Huro-nen. Von einem muß er es doch haben. Denn daß ein Deut-scher selbst dächte, von selbst die Kühnheit hätte, an der Vor-trefflichkcit eines Franzosen zu zweifeln, wer kann sich daseinbilden?

Ich rede von diesen meinen Vorgängern mehr, bey der näch-sten Wiederholung der Rodogunc. Meine Leser wünschen ausder Stcllc zu kommen; und ich mit ihnen. Ztzt nur noch einWort von der Übersetzung, nach welcher dieses Stück aufgefüh-ret worden. Es war nicht die alte Wolfcnbüttclsche vom Bres-sand, sondern eine ganz neue, hier verfertigte, die noch ungc-druckt lieget; in gereimten Alexandrinern. Sie darf sich gegendie beste von dieser Art nicht schämen, und ist voller starke»,glücklichen Stellen. Der Verfasser abcr, wciß ich, hat zu vielEinsicht und Geschmack, als daß cr sich einer so undankbarenArbeit noch einmal unterziehen wollte. Eorncillcn gut zu über-setzen, muß man bessere Verse machen können, als cr selbst.

Lcslings Werke vil, lg