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7 (1839)
Entstehung
Seite
147
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erster Band.

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ßigkeiten den Magen verdorben; nichts will ihm mehr schmecken;bis er endlich auf etwas verfällt, was jedem gesunden MagenAbscheu erwecken würde, auf faule Eyer, auf Rattenschwänzeund Raupenpastetcn; die schmecken ihm. Die edelste, beschei-denste Schönheit, mit dem schmachtendsten Auge, groß und blau,mit der unschuldigsten empfindlichsten Seele, beherrscht den Sul-tan, bis sie gewonnen ist. Eine andere, majestätischer inihrer Form, blendender von Colorit, blühende Svada auf ihrenLippen, und in ihrer Stimme das ganze liebliche Spiel bezau-bernder Töne, eine wahre Muse, nur verführerischer, wirdgenossen, und vergessen. Endlich erscheinet ein weibliches Ding,flüchtig, unbcdachtsam, wild, witzig bis zur Unverschämtheit, lu-stig bis zum Tollen, viel Physiognomie wenig Schönheit, nied-licher als wohlgestaltet, Taille aber keine Figur; dieses Ding,als es den Sultan erblickt, fällt mit der Plumpesten Schmeiche-let), wie mit der Thüre ins Haus: kraees au civl, voici unoiigurs Kumaine! (Eine Schmeichele»), die nicht blos dieserSultan, auch mancher deutscher Fürst, dann und wann etwasfeiner, dann und wann aber auch wohl noch plumper, zu hörenbekommen, und mit der unter zehnen neune, so gut wie der Sul-tan, vorlieb genommen, ohne die Beschimpfung, die sie wirklichenthält, zu fühlen.) Und so wie dieses Eingangscompliment, sodas Ucbrige Vous ötes liesucoup mioux, yu'il n'apnartivnt ü, unlure: vous avo? mömo auolaue etivto ä'un I^isnyois IZ» v6r!t«5cos ?urcs lont plaitans nio enargo d approndro it vivro »co lure nv llvkefpvio pas 6'vn kairv c^uol^uv jour un^ran^ms. Dennoch gelingt es dem Dinge! Es lacht undschilt, es droht und spottet, es liebäugelt und mault, bis derSultan, nicht genug, ihm zu gefallen, dem Scrraglio eine neueGestalt gegeben zu haben, auch Rcichsgcsetze abändern, undGeistlichkeit und Pöbel wieder sich aufzubringen Gefahr laufenmuß, wenn er anders mit ihr eben so glücklich seyn will, alsschon der und jener, wie sie ihm selbst bekennet, in ihrem Va-terlande mit ihr gewesen. Das verlohnte sich wohl der Mühe.'

Marmontel fängt seine Erzehlung mit der Betrachtung an,daß große Staatsveränderungen oft durch sehr geringfügige Klei-nigkeiten veranlaßt worden, und läßt den Sultan mit der heim-

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