Erfter Band. 155
schildert, daß es mich nicht wundern sollte, wen» mancher Cbc-mann sich daraus berechtiget zu seyn glaubte, seiner rechtschaffnenund so schönen als gefälligen Gattinn übcrdrüßig zu seyn, weilsie eine Elmirc und keine Roxclanc ist.
Wenn Fehler, die wir adoptircn, unsere eigene Fehler sind,so haben die angeführten französischen Kuustrichtcr Recht, das;sie alle das Tadclhafte des Marmontclschcn Stoffes dem Favartmit zur Last legen. Dieser scheinet ihnen sogar dabey noch mehrgesundigct zu haben, als jener. „Die Wahrscheinlichkeit, sagensie, auf die es vielleicht in einer Erzchlung so sehr nicht an-kömmt, ist in einem dramatischen Stücke unumgänglich nöthig;und diese ist in dem gegenwärtigen ans das äußerste verletzet.Der große Solimann spielet eine sehr kleine Rolle, und es istunangenehm, so einen Helden nur immer aus so einem Gesichts-punkte zu betrachten. Der Charakter eines Sultans ist nochmehr verunstaltet; da ist auch nicht ein Schatten von der unum-schränkten Gewalt, vor der alles sich schmiegen muß. Manhätte diese Gewalt wohl lindern können; nur ganz vertilgenhätte man sie nicht müssen. Der Charakter der Roxelanc hatwegen seines Spiels gefallen; aber wenn die Ucbcrlegung darü-ber kömmt, wie sieht es dann mit ihm aus? Ist ihre Rolle imgeringsten wahrscheinlich? Sie spricht mit dem Sultan, wie miteinem Pariser Bürger; sie tadelt alle seine Gebräuche; sie wi-derspricht in allen seinem Geschmacke, und sagt ihm sehr harte,nicht selten sehr beleidigende Dinge. Vielleicht zwar hätte siedas alles sagen können; wenn sie es nur mit gemessener» Aus-drücken gesagt hätte. Aber wer kann es aushalten, den großenSolimann von einer jungen Landstrcichcrinn so Hofmeistern zuhören? Er soll sogar die Kunst zu regieren von ihr lernen.Der Zug mit dem verschmähten Schnupftuche ist hart; und dermit der weggeworfenen Tabackspfeife ganz unerträglich."
Fünf und dreyßigftes Stück.
Den 28sten August, 17K7.
Der letztere Zug, muß man wissen, gehört dem Favart ganzallein; Marmontcl hat sich ihn nicht erlaubt. Auch ist dererstere bey diesem feiner, als bey jenem. Denn beym Favart