Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
166
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tkk Hauiburgischc Dramaturgie.

von den alte» Tragicis wäre genutzt worden. Und was solltesie nicht? Aristoteles , in seiner Dichtkunst, gedenkt eines Krcs-phontes, in welchem Mcropc ihren Sohn erkenne, eben da sieim Begriffe sey, ihn als den vermeinten Mörder ihres Sohnesumzubringen; und Plutarch, in seiner zweyten Abhandlung vomFlcischcsscn, zielet ohne Zweifel aus eben dieses Stück, (°) wenner sich auf die Bewegung beruft, in welcher das ganze Theatergcrathe, indem Merope die Axt gegen ihren Sohn erhebet, undauf die Furcht, die jeden Zuschauer befalle, daß der Streich ge-schehen werde, ehe der alte Diener dazu kommen könne. Ari-stoteles erwähnet dieses Krcsphonts zwar ohne Namen desVerfassers; da wir aber, bey dem Cicero und mchrcrn Alten,einen Krcsphont des Euripides angezogen finden, so wird erwohl kein anderes, als das Werk dieses Dichters gemcinct haben.

Der Pater Tourncminc sagt in dem obgedachtcn Briefe:Aristoteles , dieser weise Gesetzgeber des Theaters, hat die,Fabel der Merope in die erste Klasse der tragischen Fabeln ge-,, setzt (a mis ov l'irjet au promior rsnF clvs ktijvts traZiiZuos.)Euripides hatte sie behandelt, und Aristoteles meldet, daß, sooft der Krcsphont des Euripides auf dem Theater des witzi-gen Athens vorgestellet worden, dieses an tragische Meister- stücke so gewöhnte Volk ganz ausscrordentlich.scy betroffen,gerührt und entzückt worden." Hübsche Phrascs, aber nichtviel Wahrheit! Der Pater irret sich in beiden Punkten. Beydem letzter» hat er den Aristoteles mit dem Plutarch vermengt,und bey dem erster» de» Aristoteles nicht recht verstanden. Je-nes ist eine Kleinigkeit, aber über dieses verlohnet es der Mühe,ein Paar Worte zu sagen, weil mehrere den Aristoteles ebenso unrecht verstanden haben.

Die Sache verhält sich, wie folget. Aristoteles untersucht,in dem vierzehnten Kapitel seiner Dichtkunst, durch was cigent-,

(°) Dieses vorausgesetzt, (wie man es denn wohl sicher voraussetze»kann, weil es bey den alte» Dichter» nicht gebräuchlich, u»d auch nicht er-laubt war, einander solche eigene Situationen abzustehlen,) würde sich auder angezogenen Stelle des Plutarchs ein Fragment des Euripides finden,welches Zosna Barnes nicht mitgenommen halte, und ei» neuer Herausgeberdes Dichters nutze» köunic.