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7 (1839)
Entstehung
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Haiiibiirgischc Dramaturgie.

müsse ja wohl den Acgisth mit eigner Hand umbringen wollen,oder der ganze K«n>n ,ko l'lx'atro, den Aristoteles so sehr an-preise, der die empfindlichen Athcnicnscr ehedem so sehr ent-zückt habe, falle weg. Aber der Herr von Voltaire würde sichwiederum irren, und die willkührlichcn Abweichungen des Maffciabermals für den Stoff selbst nehmen. Der Stoff erfordertzwar, daß Mcropc den Acgisth mit eigner Hand ermordenwill, allci» cr erfordert nicht, daß sie es mit aller Ucbcrlegungthun muß. 1I»d so scheinet sie es auch bey dem Euripidcsnicht gethan zu haben, wenn wir anders die Fabel des Hyginusfür den Auszug seines Stücks annehmen dürfen. Der Altekommt und sagt der Königinn weinend, daß ihm ihr Sohnweggekommen; eben hatte sie gehört, daß ein Fremder ange-langt sey, der sich rühme, ihn umgebracht zu haben, und daßdieser Fremde ruhig unter ihrem Dache schlafe; sie ergreift daserste das beste, was ihr in die Hände fällt, eilet voller Wuthnach dem Zimmer des Schlafenden, der Alte ihr nach, und dieErkennung geschieht in dem Augenblicke, da das Verbrechengeschehen sollte. Das war sehr simpel und natürlich, sehrrührend und menschlich! Die Athenienscr zitterten für den Ae-gisth, ohne Meropcn verabscheuen zu dürfen. Sie zitterten fürMcropcn selbst, die durch die gutartigste Uebercilung Gefahrlief, die Mörderinn ihres Sohnes zu werden. Maffei undVoltaire aber machen mich blos für den Acgisth zittern; dennauf ihre Mcrove bin ich so ungehalten, daß ich es ihr fastgönnen möchte, sie vollführte den Streich. Möchte sie es dochhabe»! Kann sie sich Zeit zur Rache nehmen, so hätte sie sichauch Zeit zur Untersuchung nehmen sollen. Warum ist sie soeine blutdürstige Bestie? Er hat ihren Sohn umgebracht: gut;sie mache in der ersten Hitze mit dem Mörder was sie will,ich verzeihe ihr, sie ist Mensch und Mutter; auch will ich gcrnmit ihr jammcrn und verzweifeln, wenn sie finden sollte, wiesehr sie ihre erste rasche Hitze zu verwünschen habe. Aber,Madame, einen jungen Mcnschcn, der Sie kurz zuvor so sehrintcrcssiltc, an dem Sie so viele Merkmahle der Aufrichtigkeitund Unschuld crkannlcn, wcil man cinc alte Rüstung bey ihmfindet, die nur Ihr Sohn tragen sollte, als den Mörder Ihres