Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
214
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H.uiibnrgische TraiiitUurgic.

theil daraus erwachse» könne. Ich erinnere mich etwas ähnlichesin dem griechischen Roman des Charitons, den d'Orvillc heraus-gegeben, ehedem gelesen zu haben, wo eine Mutter das Kindselbst, welches sie noch unter ihrem Herzen trägt, auf eine sehrrührende Art darüber zum Richter nimmt. Zch glaube, dieStelle verdiente angeführt zu werden; aber ich habe das Buchnicht bey der Hand. Genug, daß das, was dem EuriklcSVoltaire selbst in den Mund legt, hinreichend gewesen wäre,die Aufführung seiner Meropc zu rechtfertigen, wenn er sie alsdie Gemahlinn des Polyphonts eingeführet hätte. Die kaltenScene» einer politischen Liebe wären dadurch weggefallen; uudich sehe mehr als einen Weg, wie das Interesse durch diesenUmstand selbst noch weit lebhafter, und die Situationen nochweit iiitriguaiitcr hätte» werde» können.

Doch Voltaire wollte durchaus auf dem Wege bleiben, denihm Maffci gcbahnct hatte, und weil es ihm gar nicht einmaleinfiel, daß es eine» besser» gebe» könne, daß dieser bessereeben der sey, der schon vor Alters befahren worden, so begnügteer sich auf jenem ein Paar Sandsteine aus dem Glcissc zuräumen, über die er meinet, daß sein Vorgänger fast umge-schmissen hätte. Würde er wohl sonst auch dieses von ihm bey-behalten haben, daß Aegisth, unbekannt mit sich selbst, vonungefehr nach Mcsscnc gerathen, und daselbst durch kleine zwcy-deutigc Merkmahle i» den Verdacht kommen muß, daß er derMörder seiner selbst sey? Wcy dem Euripides kannte sich Aegisthvollkommen, kam i» dem ausdrücklichen Vorsätze, sich zu rächen,nach Mcsscnc, und gab sich sclbst für den Mörder des Aegisthaus; nur daß cr sich scincr Multcr nicht entdeckte, es sey ausVorsicht, oder aus Mißtrauen, oder aus was sonst für Ursache,an dcr cs ihm dcr Dichter gewiß nicht wird haben mangelnlasse». Zch habe zwar obc» (') dem Maffci cinigc Gründe zualle» den Vcrändcrungcn, die er mit dem Plane des Euripi-des gemacht hat, von meinem Eigenen geliehen. Zlbcr ich binweit cnifcrnt, dic Gründe für wichtig, und die Vcrändcrungcnfür glücklich genug auszugeben. Vielmehr behaupte ich, daßjeder Tritt, den cr aus de» Fußtapfc» des Griechen zu thun

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