Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
217
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Ersicr Band.

Gelegenheit, wo es nützlich ist, dem Zuschauer einen wichtige»Vorfall so lange zu verhehlen, bis er sich cräugnct, es immerzehn und mehrere giebt, wo das Interesse gerade das Gegen-theil crfodcrt. Der Dichter bewerkstelliget durch sein Geheim-niß eine kurze Uebcrraschung; und in welche anhaltende Unruhehätte er uns stürzen können, wenn er uns kein Geheimniß dar-aus gemacht hätte! Wer in Einem Augenblicke getroffen undniedergeschlagen wird, den kann ich auch nur Einen Augenblickbelauern. Aber wie steht es alsdcnn mit mir, wenn ich denSchlag erwarte, wenn ich sehe, daß sich das Ungewittcr übermeinem oder eines andern Haupte zusammenziehet, und langeZeit darüber verweilet? Meinetwegen mögen die Personenalle einander nicht kennen; wenn sie nur der Zuschauer allekennet. Za, ich wollte fast behaupten, daß der Stoff, beywelchem die Vcrschwcigungcn nothwendig sind, ein undankbarerStoff ist; daß der Plan, in welchem man seine Zuflucht zu ih-nen nimmt, nicht so gut ist, als der, in welchem man sie hättecntübrigcn können. Sie werden nie zu etwas Starkem Anlaßgeben. Immer werden wir uns mit Vorbereitungen beschäftigenmüssen, die entweder allzu dunkel oder allzu deutlich sind. Dasganze Gedicht wird ein Zusammenhang von kleinen Kunstgriffenwerden, durch die man weiter nichts als eine kurze Ucbcrraschunghervorzubringen vermag. Ist hingegen alles, was die Personenangeht, bekannt: so sehe ich in dieser Voraussetzung die O-uclleder allcrhcftigstcu Bewegungen. Warum haben gewisse Mo-nologen eine so große Wirkung? Darum, weil sie mir die ge-heimen Anschläge einer Person vertrauen, und diese Vertraulich-keit mich den Augenblick mit Furcht oder Hoffnung erfüllet.Wenn der Zustand der Personen unbekannt ist, so kann sichder Zuschauer für die Handlung nicht stärker intcrcssircn, alsdie Personen. Das Interesse aber wird sich für den Zuschauerverdoppeln, wenn er Licht genug hat, und es fühlet, daß Hand-lung und Reden ganz anders seyn würden, wenn sich die Per-sonen kennten. Alsdcnn nur werde ich es kaum erwarten kön-nen, was aus ihnen werden wird, wenn ich das, was siewirklich sind, mit dem, was sie thun oder thun wollen, ver-gleichen kann."