Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

- < "'«^^'' .i?: ^^M»?S»ZWWW»_

218 Htimburgische Dramaturgie.

Dieses auf den Acgislh angewendet, ist es klar, für wel-chen von beiden Planen sich Diderot erklären wurde: ob fürden alten des Euripidcs, wo die Zuschauer gleich vom Anfangeden Acgisth eben so gut kennen, als er sich selbst; oder für denneuern des Maffci, den Voltaire so blindlings angenommen,wo Acgisth sich und den Zuschauern ein Räthsel ist, und da-durch das ganze Stückzu einem Zusanmicnhangc von kleinenKunstgriffen" macht, die weiter nichts als eine kurze Ucbcrra-schung hervorbringen.

Diderot hat auch nicht ganz Unrecht, seine Gedanken überdie Entbehrlichkeit nnd Geringfügigkeit aller ungewissen Erwar-tungen und plötzlichen Überraschungen, die sich auf den Zuschauerbeziehen, für eben so neu als gegründet auszugeben. Sie sindneu, in Ansehung ihrer Abstraction, aber sehr alt in Ansehungder Muster, aus welchen sie abstrahirct worden. Sie sind neu,in Betrachtung, daß seine Vorgänger nur immer auf das Ge-gentheil gedrungen; aber unter diese Vorgänger gehört wederAristoteles noch Horaz , welchen durchaus nichts entfahren ist,was ihre Ausleger und Nachfolger in ihrer Prädilcction fürdieses Gegentheil hätte bestärken können, dessen gute Wirkungsie weder den meisten noch den besten Stücken der Alten abge-sehen halten.

Unter diesen war besonders Euripidcs seiner Sache so gewiß,daß er fast immer den Zuschauern das Ziel voraus zeigte, zuwelchem er sie führen wollte. Za, ich wäre sehr geneigt, ausdiesem Gesichtspunkte die Vertheidigung seiner Prologen zu über-nehmen, die den neuern Kriticis so sehr mißfallen.Nicht ge-nug, sagt Hcdclin, daß er meistcnthcilS alles, was vor derHandlung des Stücks vorhergegangen, durch eine von seinenHauptpersonen den Zuhörern geradezu crzchlcn läßt, um ihnenauf diese Weise das Folgende verständlich zu machen: er nimmtauch wohl öfters einen Gott dazu, von dem wir annehmenmüssen, daß er alles weiß, und durch den er nicht allein wasgeschehe» ist, sondern auch alles, was noch geschehen soll, unskund macht. Wir erfahren sonach gleich Anfangs die Entwick-lung und die ganze Katastrophe, und sehen jeden Zufall schonvon weiten kommen. Dieses aber ist ei» sehr merklicher Fehler,