Zweyter Band.
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Graf gcnöthigct, mit dcm Feinde in Unterhandlung zu treten,weil seine Truppen durch Slrabazcn und Krankheiten sehr ab-gemattet waren, Tyrone al'cr mit seinen Leuten sehr vorteil-haft postirct stand. Da diese Unterhandlung zwischen den An-führern mündlich betrieben ward, und kein Mensch dabey zuge-gen seyn durfte: so wurde sie der Königinn als ihrer Ehrehöchst nachthcilig, und als ein gar nicht zwcydcutigcr Beweisvorgestellet, daß Esser mit den Rebellen in einem heimlichenVerständnisse stehen müsse. Burlcigh und Ralcigh, mit eini-gen andern Parlamentsgliedern, treten sie daher um Erlaub-niß an, ihn des Hochvcrraths anklagen zu dürfen, welches sieaber so wenig zu verstatten geneigt ist, daß sie sich vielmehrüber ein dergleichen Unternehmen sehr aufgebracht bezeiget. Siewiederholt die vorigen Dienste, welche der Graf der Nationerwiesen, und erklärt, daß sie die Undankbarkeit und denboshaften Neid seiner Ankläger verabscheue. Der Graf vonSouthampton, ein aufrichtiger Freund des Esser, nimmt sichzugleich seiner auf das lebhafteste an; er erhebt die Gerechtig-keit der Königinn, einen solchen Mann nicht unterdrücken zulassen; und seine Feinde müssen vor dicscsmal schweigen.(Erster Akt.)
Zndcß ist die Königinn mit der Aufführung des Grafennichts weniger, als zufrieden, sondern läßt ihm befehlen, seineFehler wieder gut zu machen, und Zrrland nicht eher zu verlas-sen, als bis er die Rebellen völlig zu Paaren getrieben, und alleswieder beruhiget habe. Doch Esser, dcm die Beschuldigungennicht unbekannt geblieben, mit welchen ihn seine Feinde bey ihranzuschwärzen suchen, ist viel zu ungeduldig, sich zu rechtfertigen,und kömmt, nachdem er den Tyrone zu Nicderlcgung derWaffen vermocht, des ausdrücklichen Verbots der Königinnungeachtet, nach England über. Dieser unbcdachtsamc Schrittmacht seinen Feinden eben so viel Vergnügen, als seinen Freun-den Unruhe; besonders zittert die Gräfinn von Nutland,mit welcher er insgeheim vcrhcnrathct ist, vor den Folgen. Ammeisten aber betrübt sich die Königinn, da sie sieht, daß ihrdurch dieses rasche Betragen aller Vorwand benommen ist, ihnzu vertreten, wenn sie nicht eine Zärtlichkeit verrathen will,
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