!>44
H.nnbiirgische Tramaturgic.
die sie gern vor der ganzen Wclt vcrbcrgcn möchte. Die Er-wägung ihrer Wurde, zu welcher ihr natürlicher Stolz kömmt,und die heimliche Liebe, die sie zu ihm trägt, erregen in ihrerBrust den grausamsten Kampf. Sie streitet lange mit sich selbst,ob sie den verwegnen Mann nach dem Towcr schicken, oder dengeliebten Verbrecher vor sich lassen und ihm erlauben soll, sichgegen sie selbst zu rechtfertigen. Endlich entschließt sie sich zudem letzter», doch nicht ohne alle Einschränkung; sie will ihnsehen, aber sie will ihn auf eine Art empfangen, daß er dieHoffnung wohl verlieren soll, für seine Vcrgchungcn so baldVergebung zu erhalten. Vnrlcigh, Ralcigh und Nottingham sind bey dieser Zusammenkunft gegenwärtig. Die Königinn istauf die letztere gclchnct, und scheinet tief im Gespräche zu seyn,ohne den Grafen nur ein cinzigcsmal anzusehen. Nachdem sieihn eine Weile vor sich knien lassen, verläßt sie auf einmaldas Zimmer, und gebiethet allen, die es redlich mit ihr meinen,ihr zu folgen, und den Vcrräthcr allein zu lassen. Niemanddarf es wagen, ihr ungehorsam zu seyn; selbst Southamptongehet mit ihr ab, kömmt aber bald, mit der trostlosen Rutland,wieder, ihren Freund bey seinem Unfälle zu beklagen. Gleichdarauf schicket die Königinn den Burlcigh und Ralcigh zu demGrasen, ihm den Kommandostab abzunehmen; er weigert sichaber, ihn in andere, als in der Königinn eigene Hände, zurückzu liefern, und beiden Ministern wird, sowohl von ihm, alsvon dem Southampton, sehr verächtlich begegnet. (Zweyter Akt.)
Die Königinn, der dieses sein Betragen sogleich bintcrbrachtwird, ist äußerst gcrcitzt, aber doch in ihren Gedanken noch im-mer uneinig. Sie kann weder die Verunglimpfungen, derensich die Nottingham gegen ihn erkühnt, noch die Lobsprüchevertragen, die ihm die unbedachtsamc Nutland ans der Fülleihres Herzens ertheilet; ja, diese sind ihr noch mehr zuwiderals jene, weil sie daraus entdeckt, daß die Rutland ihn liebet.Zuletzt befiehlt sie, dem ohngcachtct, daß er vor sie gebrachtwerden soll. Er kömmt, und versucht es, seine Aufführungzu vertheidigen. Doch die Gründe, die er dcsfalls beybringt,scheinen ihr viel zu schwach, als daß sie ihren Verstand vonseiner Unschuld überzeugen sollten. Sie verzeihet ihm, um der