Zweyter Band,
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gcbcimen Neigung, die sie für ihn hägt, ein Genüge zu thun;aber zugleich entsetzt.sie ihn aller seiner Ehrcnstcllcii, in Be-trachtung dessen, was sie sich selbst, als Königinn, schuldig zuseyn glaubt. Und nun ist der Graf nicht länger vermögend,sich zu mäßigen; seine Ungcstümhcit bricht los; er wirft denStab zu ihren Fußen, und bedient sich vcrschicdncr Ausdrücke,die zu sehr wie Vorwürfe klinge», als daß sie den Zorn derKöniginn nicht aufs höchste treiben sollten. Auch antwortetsie ihm darauf, wie es Zornigen sehr natürlich ist; ohne sichum Anstand und Würde, ohne sich um die Folgen zu beküm-mern: nehmlich, anstatt der Antwort, giebt sie ihm eine Ohr-feige. Der Graf greift nach dem Degen; und nur der einzigeGedanke, daß es seine Königinn, daß es nicht sein König ist,der ihn geschlagen, mit einem Worte, daß es eine Frau ist,von der er die Ohrfeige hat, hält ihn zurück, sich thällich anihr zu vergehen. Southampton beschwört ihn, sich zu fasse»;aber cr wiederholt seine ihr und dem Staate geleisteten Dienstenochmals, und wirft dem Burlcigh und Ralcigh ihren nieder-trächtigen Neid, so wie der Königinn ihre Ungerechtigkeit vor.Sie verläßt ihn in der äußersten Wuth; und niemand alsSouthampton bleibt bey ihm, der Freundschaft genug hat, sichitzt eben am wenigsten von ihm trennen zu lassen. (Dritter Akt.)
Der Graf gcräth über sein Unglück in Verzweiflung; crläuft wie unsinnig in der Stadt herum, schreyet über das ihmangethane Unrecht, und schmähet auf die Regierung. Allesdas wird der Königinn, mit vielen Uebertreibungen, wieder-gesagt, und sie giebt Befehl, sich der beiden Grafen zu versichern.Es wird Mannschaft gegen sie ausgeschickt, sie werden gefangengenommen, und in den Towcr in Verhaft gesetzt, bis daß ih-nen der Proceß kann gemacht werden. Doch indeß hat sichder Zorn der Königinn gelegt, und günstigern Gedanken fürden Esscx wiederum Raum gemacht. Sie will ihn also, ehe erzum Ncrhöre gcht, allem, was man ihr darwidcr sagt, ungeach-tet, nochmals sehen; und da sie besorgt, seine Verbrechen möch-ten zu strafbar befunden werden, so giebt sie ihm, um seinLeben wenigstens in Sicherheit zu setzen, cincn Ring, mitdem Versprechen, ihm gegen diesen Ring, sobald cr ihn ihr zu-