Zweyter Band.
'.'5>t
die ihm die Gesetze dafür verschaffen können, vergebens ist. Siewill nicht von einem dritten bestraft, sie will von dem Belei-digten selbst gcrächct, nnd ans eine eben so eigenmächtige Artgcrächct seyn, als sie erwiesen worden. Ob es die wahre oderdie falsche Ehre ist, die dieses gebiethet, davon ist hier die Ncdcnicht. Wie gesagt, es ist nun einmal so.
Und wenn es nun einmal in der Welt so ist: warum solles nicht auch auf dem Theater so seyn? Wenn die Ohrfeigendort im Gange sind: warum nicht auch hier?
„Die Schauspieler, sagt der Herr von Voltaire , wissen nicht,wie sie sich dabey anstellen sollen." Sie wüßten es wohl; aberman will eine Ohrfeige auch nicht einmal gern im fremden Na-men haben. Der Schlag setzt sie in Feuer; die Person erhältihn, aber sie fühlen ihn; das Gefühl hebt die Verstellung auf;sie gerathen aus ihrer Fassung; Scham und Verwirrung äußertsich wider Willen auf ihrem Gesichte; sie sollten zornig aussehen,nnd sie sehen albern aus; und jeder Schauspieler, dessen eigeneEmpfindungen mit seiner Rolle in Collision kommen, machtuns zu lachen.
Es ist dieses nicht der einzige Fall, in welchem man dieAbschaffung der Masken bctaucrn möchte. Der Schauspieler kannohnstrcitig unter der Maske mehr Contcnancc hallen; seine Per-son findet weniger Gelegenheit auszubrcchcn; und wenn sie jaausbricht, so werden wir diesen Ausbruch weniger gewahr.
Doch der Schauspieler verhalte sich bey der Ohrfeige, wieer will: der dramalischc Dichter arbeitet zwar für den Schau-spieler, aber er muß sich darum nicht alles versagen, was die-sem weniger thulich und bequem ist. Kein Schauspieler kannroth werden, wenn er will: aber gleichwohl darf es ihm derDichter vorschreiben; gleichwohl darf er den einen sagen lassen,daß er es den andern werden sieht. Der Schauspieler will sichnicht ins Gesichte schlagen lassen; er glaubt, es mache ihn ver-ächtlich; es verwirrt ihn; es schmerzt ihn: recht gut! Wenn eres in seiner Kunst so weit noch nicht gebracht hat, daß ihn soetwas nicht verwirret; wenn er seine Kunst so sehr nicht liebet,daß er sich, ihr zum Besten, eine kleine Kränkung will gefallenlassen: so suche er über die Stelle so gut wegzukommen, als