Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
305
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Zweyter Band.

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Die Königinn. Ohnfchlbar. Die Fran wollte Sie rcttc»; dieKöniginn mich dein Rechte seinen Lauf lassen. Morgen »uisscii Siesterben; nnd es ist schon morgen. Sie haben mein ganzes Mitleid;die Wchmuth bricht mir das Herz; aber es ist nun einmal das Schick-,sal der Könige, daß sie viel lvcnigcr nach ihren Empfindungen han-deln können, als andere. Eraf, ich empfehle Sie der Vorsicht!

Acht und sechzigstes Stück.Ten 26sten December, 1767.

Noch einiger Wortwechsel zum Abschiede, noch einige Aus-rufungen in der Stille: und beide, der Graf und die Königinn,gehen ab; jedes von einer besondern Seite. Zm Herausgehen,muß man sich einbilden, hat Esscx Eosmen den Brief gegeben,den er an die Blanca geschrieben. Denn den Augenblick daraufkömmt dieser damit herein, und sagt, daß man seinen Herrnzum Tode führe; sobald es damit vorbey sey, wolle er denBrief, so wie er es versprochen, übergeben. Zudem er ihn aberansieht, erwacht seine Ncugicrdc.Was mag dieser Briefwohl enthalten? Eine Ehcvcrschrcibung? die käme ein wenigzu spät. Die Abschrift von seinem Urtheile? die wird er dochnicht der schicken, die es zur Wittwe macht. Sein Testament?auch wohl nicht. Nun was denn?" Er wird immer begieri-ger; zugleich fällt ihm ein, wie es ihm schon einmal fast dasLeben gekostet hätte, daß er nicht gewußt, was in dem Briefeseines Herrn stünde.Wäre ich nicht, sagt er, bey einemHaare zum Vertrauten darüber geworden? Hohl der Geyerdie Nertrautschafr! Nein, das muß mir nicht wieder bcgcg-ncn!" Kurz, Eosmc beschließt, den Brief zu erbrechen; underbricht ihn. Natürlich, daß ihn der Inhalt äußerst betroffenmacht; er glaubt, ein Papier, das so wichtige und gefährlicheDinge enthalte, nicht geschwind genug los werden zu können;er zittert über den bloßen Gedanken, daß man es in seinenHänden finden könne, ehe er es freywillig abgeliefert; und eilet,es geraden Weges der Königinn zu bringen.

Eben kömmt die Königinn mit dem Kanzler heraus. Eosinewill sie den Kanzler nur erst abfertigen lassen; und tritt benSeite. Die Königinn ertheilt dem Kanzler den letzten Befehl

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