312 Hainburgische Dramaturgie.
„Ausdruck ihrer Empfindungen, wo nicht ju lachen macht, doch der-gestalt abkühlt, daß es ihm hernach sehr schwer wird, uns wieder„in die Fassung zu setzen, worinn er uns haben mochte. — Man ta-„delt das, und denkt nicht daran, daß seine Stücke eben darum na-türliche Abbildungen dcS menschlichen Lebens find."
„DaS Leben der uicificn Menschen, und (wenn wir eS sagen dür-,,fen) der LcbcuSlauf der großen StaatSlörper selbst, in so fern wir„sie als eben so viel moralische Wesen betrachten, gleicht den Haupt-„nnd Staats-Actionen im alten gothischen Geschmacke in so viele»„Punkten, daß man beynahe auf die Gedanken kommen mochte, die„Erfinder dieser letzter» wären klüger gewesen, als man gemeiniglich„denkt, und hätten, wofern sie nicht gar die heimliche Absicht gehabt,„das menschliche Leben lächerlich zu machen, wenigstens die Ratnr„eben so getreu nachahme» wollen, als die Grieche» sich angelegen„seyn liessen, sie zu verschönern. Um itzt nichts von der znsällige»„Aehnlichkcil ju sage», daß i» diese» Stücken, so wie im Leben, die„wichtigsten Rollen sehr oft gerade dnrch die schlechtesten ActenrS ge-spielt werden, — was kau» ähnlicher seyn, als cS beide Arten der„Haupt- und Staats-Actionen einander i» der Anlage, in der Ab-theilung und Disposition der Scenen, im Knoten und in der Eitt-„Wicklung zu seyn pflegen. Wie selten frage» die Urheber der eine»„und der andern sich selbst, warum sie dieses oder jenes gerade so und„nicht anders gemacht haben? Wie oft überraschen sie uns durch Be-gebenheiten, zu denen wir nicht im mindesten vorbereitet waren?„Wie oft sehen wir Personen kommen und wieder abtreten, ohne daß„sich begreifen läßt, warum sie kamen, oder warum sie wieder vcr-„schwinde»? Wie viel wird i» beide» dem Zufall überlasse»? Wie„oft sehen wir die größcsten Wirkungen dnrch die armseligsten Ursache»„hervorgebracht? Wie oft das Eriisihafte und Wichtige mit einer„leichtsinnigen Art, und das NichtSbcdciitciide mit lächerlicher Eravi-„täl behandelt? Und wen» in beiden endlich alles so kläglich verwor-fen und durch einander geschlungen ist, daß man an der Möglichkeit„der Entwicklung zu verzweifeln anfängt: wie glücklich sehen wir durch„irgend einen nutcr Blitz und Donner aus papierncn Wolken hcrab-„ springende» Gott, oder durch eine» frische» Degenhicb, den Knoten„auf einmal zwar nicht aufgelöset, aber doch aufgeschnitten, welches„in so fern auf eines hiuauSlanft, daß auf die eine oder die andere