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Hamburgische Dramaturgie.
„ohnmächtig auf das entsetzliche Schaugcrüstc. Man arbeitet„sich durch das Gewühl, man stellt sich ans die Zähen, man„klettert die Dächer hinan, nm die Zuge des Todes sein„Gesicht entstellen zu sehen. Sein Urtheil ist gesprochen; sein„Henker naht sich ihm; ein Augenblick wird sein Schicksal ent-scheiden. Wie sehnlich wünschen itzt aller Herzen, daß ihm„verziehen würde! Ihm? dem Gegenstände ihres Abscheues, den„sie einen Augenblick vorher selbst zum Tode vcrurthcilct haben„würden? Wodurch wird itzt ein Strahl der Menschenliebe„wiederum bey ihnen rege? Ist es nicht die Annäherung der„Strafe, der Anblick der entsetzlichsten physikalischen Uebel, die„uns sogar mit einem Ruchlosen gleichsam aussöhnen, und ihm„unsere Liebe erwerben? Ohne Liebe könnten wir unmöglich„mitleidig mit seinem Schicksale seyn."
Und eben diese Liebe, sage ich, die wir gegen unsern Nebcn-mcnschcn unter kcinerlcy Umständen ganz verlieren können, dieunter der Asche, mit welcher sie andere stärkere Empfindungenüberdecken, unvcrlöschlich fortglimmct, und gleichsam nur einengünstigen Windstoß von Unglück und Schmerz und Verderbenerwartet, um in die Flamme des Mitleids auszubrcchcii; ebendiese Liebe ist es, welche Aristoteles unter dem Namen derPhilanthropie verstehet. Wir haben Recht, wenn wir sie mitunter dem Namen des Mitleids begreifen. Aber Aristoteles hatte auch nicht Unrecht, wenn er ihr einen eigenen Namengab, um sie, wie gesagt, von dem höchsten Grade der mitleidi-gen Empfindungen, in welchem sie, durch die Dazukunft einerwahrscheinliche» Furcht für unS selbst, Affekt werden, zuunterscheiden.
Sieben und siebzigstes Stück.Teil Testen Januar, 1768.
Einem Einwürfe ist hier noch vorzukommen. Wenn Aristo-teles diesen Begriff von dem Affekte des Mitleids hatte, daßer nolbwcndig mit der Furcht für uns selbst verknüpft scvn müsse:was war cS nötbig, der Furcht noch insbesondere zu erwähnen?Das Wort Mitleid scbloß sie scbon in sich, und es wäre genuggewesen, wenn er blos gesagt hätte: die Tragödie soll durch Er-