Druckschrift 
7 (1839)
Entstehung
Seite
357
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Zweyter Band.

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Alles, was Richard thut, ist Greuel; aber alle diese Greuelgeschehen in Absicht auf etwas; Richard hat einen Plan; undüberall, wo wir einen Plan wahrnehmen, wird unsere Ncu-gicrdc rege; wir warten gern mit ab, ob er ausgeführt wirdwerden, nnd wie er es wird werden; wir lieben das Zweckmä-ßige so sehr, daß es uns, auch unabhängig von der Moralitätdes Zweckes, Vergnügen gewähret.

Wir wollten, daß Richard seinen Zweck erreichte: und wirwollten, daß er ihn auch nicht erreichte. Das Erreichen erspartuns das Mißvergnügen, über ganz vergebens angewandte Mit-tel: wenn er ihn nicht erreicht, so ist so viel Blut völlig um-sonst vergossen worden; da es einmal vergossen ist, möchten wires nicht gern, auch noch blos vor langer Weile, vergossen fin-den. Hinwiederum wäre dieses Erreichen das Frohlocken derBosheit; nichts hören wir ungcrncr; die Absicht intercsiirtc nns,als zu erreichende Absicht; wenn sie aber nun erreicht wäre,würden wir nichts als das Abscheuliche derselben erblicken, wür-den wir wünschen, daß sie nicht erreicht wäre; diesen Wunschsehen wir voraus, und uns schaudert vor der Erreichung.

Die guten Personen des Stücks lieben wir; eine so zärtlichefeurige Mutter, Geschwister, die so ganz eines in dem andernleben; diese Gegenstände gefallen immer, erregen immer diesüßesten sympathetischen Empfindungen, wir mögen sie finden,wo wir wollen. Sie ganz ohne Schuld leiden zu sehen, istzwar herbe, ist zwar für unsere Ruhe, zu unserer Besserung,kein sehr ersprießliches Gefühl: aber es ist doch immer Gefühl.

Und so nach beschäftiget uns das Stück durchaus, und ver-gnügt durch diese Beschäftigung unserer Scclcnkrästc. Das istwahr; nur die Folge ist nicht wahr, die man daraus zu ziehenmeinet: nehmlich, daß wir also damit zufrieden seyn können.

Ein Dichter kann viel gethan, und doch noch nichts damitverthan haben. Nicht genug, daß sein Werk Wirkungen aufuns hat: es muß auch die haben, die ihm, vermöge der Gat-tung, zukommen; es muß diese vornehmlich haben, und alleandere können den Mangel derselben auf keine Weise ersetzen;besonders wenn die Gattung von der Wichtigkeit und Schwie-rigkeit, und Kostbarkeit ist, daß alle Mühe und aller Aufwand