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Hamburgischc Dram.iturjzie.
„die Ursache, warum die meisten von unsern Stücken so matt„und kalt sind, so genau traf. ES hat uns immer an einem„Grade von Wärme gefehlt: das andere hatten wir alles."
Das ist: wir hatten alles, nur nicht das, was wir habensollten; unsere Tragödien waren vortrefflich, nur daß es keineTragödien waren. Und woher kam es, daß sie das nicht waren ?
„Diese Kälte aber, fährt er fort, diese einförmige Mattig-keit, entsprang zum Theil von dem kleinen Geiste der Galan-terie, der damals unter unsern Hoflcntcn und Damen so„herrschte, und die Tragödie in eine Folge von verliebten Ge-sprächen verwandelte, nach dem Geschmacke des Cyrus und„der Clclie. Was für Stücke sich hiervon noch etwa ausnah-„mcn, die bestanden aus langen politischen Raisonncmcnts, der-gleichen den Scrtorius so verdorben, den Otho so kalt, und„den Surcna und Attila so elend gemacht haben. Noch fand„sich aber auch eine andere Ursache, die das hohe Pathetische„von unserer Scene zurückhielt, und die Handlung wirklich tra-gisch zu macben verhinderte: und diese war, das enge schlechte„Theater mit seinen armseligen Verzierungen. — Was ließ„sich auf einem Paar Dutzend Brettern, die noch dazu mit Zu-schauern angefüllt waren, machen ? Mit welchem Pomp, mit„welchen Zurüstungen konnte man da die Augen der Zuschauer„bestechen, fesseln, täuschen? Welche große tragische Actiou„ließ sich da aufführen? Welche Freyheit konnte die Einbil-dungskraft des Dichters da haben ? Die Stücke mußten aus„langen Erzcblungcn bestehen, und so wurden sie mehr Ge-spräche als Spiele. Jeder Akteur wollte in einer langen„Monologe glänzen, und ein Stück, das dergleichen nicht hatte,„ward verworfen. — Bey dieser Form fiel alle theatralische„Handlung weg; fielen alle die großen Ausdrücke der Lcidcn-„scbaftcn, alle die kräftigen Gemählde der menschlichen UnglückS-„ fälle, alle die schrecklichen bis in das Innerste der Seele„dringende Züge weg; man rührte das Herz nur kaum, an-statt es zu zerrcissen."
Mit der ersten Ursache hat es seine gute Richtigkeit. Ga-lanterie und Politik läßt immer kalt; und noch ist es keinem