Druckschrift 
8 (1839)
Entstehung
Seite
97
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Antiquarischer Briefe ein lind dreyßigster.

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konnten, und also, an den Smirgcl einmal gewöhnt, wennsie mit jenem schneiden sollten, oft zu viel von einem Ortewegnehmen wurden; indem das Rad, mit Diamantpulvcr be-strichcn, weit geschwinder und schärfer schneide, als mit Smirgcl.

Ich bin gewiß, daß die Ersparung der Zeit, die Hr. Lip-pcrt den alten Künstlern machen will,^) ihnen so nicht zuStatten gekommen. Ihr Naxium kann, in Betrachtung derNatur des Schiefers, weder geschwinder noch schärfer geschnittenhaben, als der Smirgcl, wohl aber feiner; so daß es ihneneinen grossen Theil der Polirung ersparte.

Kurz; wenn ich schon nicht behaupten wollte, daß die Al-ten das Diamantpulvcr überhaupt nicht gekannt und gebraucht:so darf ich doch kühnlich leugnen, daß sie es zur Ausschlciffunggeringerer Edelsteine angewendet haben. Denn Hr. Lippcrt magvon der itzigcn Kostbarkeit der Diamantc sagen, was er will:so waren sie bcl) den Alten doch noch ungleich kostbarer; dennsie waren ungleich seltner. Die Alten wußten von keinen Bra-silischen Diamanten, die so neuerlich Europa überschwemmet ha-ben. Unsere Künstler müßten den Aufwand, den das Diamant-pulvcr erfordert, also weit eher machen können, als ihn diealten Künstler machen konntcn.

Und wer sagt cs denn, daß diese ihn gemacht? Plinius ?wo denn? Da, wo er ausdrücklich des Mittclkörpcrs erwähnt,durch den die Instrumente des Rades in den Stein wirken,sehen wir ja, daß er das Narium, daß er das ArmenischeSchiefcrpulvcr nennet. Konnten die Künstler seiner Zeit aberdamit fcrtig werdcn, was für Grund hat man, ihnen nochden Gebrauch des Diamantpulvcrs zuzuschreiben? Weil Pliniusihnen anderwärts denselben zuschreibt? Wo anderwärts?

Zwey und dreyßkgster Brief.

Die Alten, sagt Hr. Klotz, kannten die Kraft desDiamantstaubcs, die feinen Steine anzugreifen, und sie be-dienten sich, welches unleugbar ist, desselben."

Welches unleugbar ist! Warum wär es denn unleugbar?

C) Borb. der Dakt, S. 3?.C°) S. 42.

Leslmgs Merk- vnr. 7