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Humboldt
Gestalt, befestigt und geläutert wird. So wie für jeden Laut ein Zeichengegeben ist, gewöhnen sich das Ohr und die Sprachorgane, ihn immergenau auf dieselbe Weise zu fordern und wiederzugeben; zugleich wirder, mit Abschneidung des unbestimmten Tönens, mit dem, im ungebil-deten Sprechen, ein Laut in den andern überfliefst, schärfer und rich-tiger begränzt. Diese reinere Aussprache, die feine Ausbildung desOhrs und der Sprach Werkzeuge ist schon an sich, und in ihrer Wir-kung auch auf das Innere der Sprache von der äufsersten Wichtigkeit;die Absonderung der Lautelemente übt aber auch einen noch tiefer indas Wesen der Sprache eingehenden Einflufs aus.
Sie führt nemlich der Seele die Articulation der Töne vor, in-dem sie die articulirten Töne vereinzelt und bezeichnet. Die alphabe-tische Schrift thut dies klarer und anschaulicher, als es auf irgend ei-nem anderen W^ege geschehen könnte, und man behauptet nicht zuviel, wenn man sagt, dafs durch das Alphabet einem Volke eine ganzneue Einsicht in die Natur der Sprache aufgeht. Da die Articulationdas Wesen der Sprache ausmacht, die ohne dieselbe nicht einmal mög-lich seyn Avürde, und der Begriff der Gliederung sich über ihr ganzesGebiet, auch wo nicht blofs von Tönen die Rede ist, erstreckt; so mufsdie Versinnlichung und Vergegenwartigung des gegliederten Tons voi - -zugsweise mit der ursprünglichen Richtigkeit und der allmählichen Ent-wickelung des Sprachsinnes in Zusammenhang stehen. Wo dieser starkund lebendig ist, wird ein Volk aus eigenem Drange der Erfindung desAlphabels entgegengehen, und wo ein Alphabet einer Nation von derFremde her zukommt, wird es die Sprachausbildung in ihr befördernund beschleunigen.
Obgleich der articulirte Laut körperlich und instinctariig hervor-gebracht ist, so stammt sein Wesen doch eigentlich nur aus der inne-ren Seelenanlage zur Sprache, die Sprachwerkzeuge besitzen blofs dieFähigkeit, sich dem Drange dieser gemäfs zu gestalten. Eine Definitiondes articulirten Lauts, blofs nach seiner physischen Beschaffenheit, ohnedie Absicht oder den Erfolg seiner Hervorbringung darin aufzunehmen,scheint mir daher unmöglich. Er ist ein sich einzeln abschneidenderLaut, nicht ein verbundenes und vermischtes Tönen oder Schmettern,wie die meisten Gefühllaute. Sein charakteristischer Unterschied liegt