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Schuldknechtschaft! : 155 Milliarden jährliche Reichsausgabe ; Reichstagsrede am 6. Juli 1921 / von Helfferich
Entstehung
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Steuern winde also in Zukunft einem Ausgabebedarf von rnnd153 Milliarden gegenüberstehen, also ein Defizit von ungefähr75 Milliarden hinterlassen. Und, meine Damen nnd Herren,das ist kein Wunder. Keine direkten und keine indirektenSteuern weuu nicht eine noch weitere Entwertung der Markeintritt, der wir dauu uachlaufeu müssen, die die Sache nichtbessert, sondern verschlimmert kein Anziehen der Stener-schranbe kann ans dem deutscheil Volke den Betrag von 155Milliarden oder auch uur einen annähernden Betrag Herans-pressen. Das ist einfach nicht möglich.

Nehmen Sie zunächst die direkte» Steuern! Ich willgar nicht ans die Einzelheiteil eingehe», von denen derHerr Reichskanzler sprach. Der Herr Abgeordnete Trimbornbat durchaus das Nichtige getroffen: über so weitgehendeStenervorlagen kann »ran erst urteilen, wenn man sie ge-nau vor sich sieht, wenn man genau weiß, was vorge-schlagen wird. Trotzdem ist es wichtig, daß wir nns heuteüber diese Dinge nnterhalten. Denn wenn wir jetzt in dieFerien gehen, so nehme ich an, daß wir alle darin werde»auch Sie (nach links) mir zustimmen ^ bedrückt hinansgehe»,bedrückt über die ungeheure Last, die auf unserm Volke liegt.(Zurnfe nnd Unruhe links.) Auch Sie werden Ihren Kopfanstrengen müssen. (Lebhafte Zurnfe links: Sie haben es ver-schuldet! Die Kriegsschuldeu muß der Verlierer nach sichtragen! Bleigewicht!) Ich für meine Person mache mir fol-genden Gedankengang znrecht und ich glanbe nicht, das; diesemGedankengang widersprochen werden kann.

Die 55 Milliarden, die wir hente einschließlich deraußerordentlichen Einnahmen im Reiche anfbringcn, be-stehen zn einein ganz großen Teil bereits Heute ans di-rekten Steuern. In: letzten Jahre sind, wenn ich die,Zahlen recht im Gedächtnis habe, rnnd 33 Milliardenaus direkten Steuern nnd Verkehrsstencrn aufgekommen.;aus direkten Steilern einschließlich der Reichsstempelabgabc,aber ohne Umsatzsteuern nnd ähnliches, rnnd 25 Milliarden,gegeil ruud 13 Milliarden ans Verbrailchssteileril nnd Zöllen,einschließlich der Ausfnhrabgaben. Also heute schon eine An-spannung der direkten Stenern, die ja auch den Herrn Reichs-kanzler vor einem halben Jahre zu dem Ausspruch veranlaßt hat,daß hier ein weiteres Anziehen der Steuerschraube nicht möglichsei, daß in gewisser Beziehung eine Revision, ein Abbau statt-finden müsse. Er hat auch eingesetzt. Wir haben uus genötigtgeseheil, für die kleineren und mittleren Einkommen fürdas^ was man heute uoch kleine uud mittlere Eiukommennennt! - - Entlastungen eintreten zu lassen. Also hente schon25 Milliarden direkter Steuern? Und wie zustandegekommen?Dnrch Steuersätze, die auf eine irgendwie längere Dauer für