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Schuldknechtschaft! : 155 Milliarden jährliche Reichsausgabe ; Reichstagsrede am 6. Juli 1921 / von Helfferich
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kein Volk erträglich sind. Jede Steuer ist schließlich tragbar,solange sie aus dem Einkommen, das Jahr für Jahr erzieltwird, bezahlt werden kann und solange dann noch soviel übrigbleibt, daß eine Neubildung von Kapital möglich ist, die demnatürlichen Zuwachs eines Volks entspricht. (Sehr wahr! rechts.)Diese Grenze ist bei uns heute schon überschritten. (Sehr richtig!rechts.) Das Notopfer ist durchgestaffelt bis zu 63 Prozentder Vermögen. Die Einkommensteuer ist durchgestaffelt bis60 Prozent der Einkommen. Die Erbschaftssteuer ist schon fürKinder und Ehegatten durchgestafselt anscheinend nur bis 35Prozent, in Wirklichkeit ist sie durchgestaffelt bis 70 Prozent.Denn wenn der Erbe bereits Vermögen besitzt, dann kommenZuschläge hinzu, die'sehr bald den vollen Betrag der eigent>lichen Steuer erreichen, also einer Verdoppelung gleichkommen.(Zuruf von den Sozialdemokraten: In diesem Falle ist sievolkswirtschaftlich nützlich!) - Das ist Ihre Ansicht. Herr Ab-geordneter Keil! Ueber diese Ansicht werde ich später gernmit Ihnen diskutieren. Heute handelt es sich nur um einobjektives Bild über die ganze Sachlage; und da stelle ich fest,daß heute schon die Erbanfallsteuer, die uach einer Andeutungdes Herrn Reichskanzlers noch weiter ausgebaut werden soll,sogar bei Kindern und Ehegatten bis auf 70 Prozent der Erb-schaften durchgestaffelt ist.

Meine Damen und Herren, Sie können gewiß dasNotopfer noch weiter schrauben, können die Einkommen-steuer noch weiter erhöhen, auch die Erbschaftssteuer nochweiter .hinaussetzen. Was Sie damit für ein volkswirt-schaftliches Unglück anrichten, darüber wollen wir, wie gesagt,heute nicht diskutieren. Aber eins ist sicher: Sie können dasNotopfer nicht verdoppeln, denn 136 Prozent von seinem Ver-mögen kann anch der reichste Mann nicht bezahlen. (Sehrrichtig! und Heiterkeit rechts.) Sie können die Erbschaftssteuernicht verdoppeln, denn IM Prozent von der Erbschaft kannder reichste Mann nicht bezahlen. (Erneute Zustimmung uud.Heiterkeit rechts. Zuruf rechts: Ein sozialdemokratischer An-trag lag vor!) Ja, dann nehmen die Herren das aus demBlau des Himmels heraus, wenn es ihnen auf der Erde fehlt.^ Sie können die Einkommensteuer, wenn Sie nicht über eineKonfiskation der Einkommen noch Hinausgeheu wollen, gleich-falls nicht verdoppeln. Wenn Sie 120 Prozent vom Einkommenerheben, hat der Mann nichts zum Leben, und zweitens wirdseine Vermögenssubstanz angegriffen und sehr bald aufgezehrt.

Ich überlasse es dem Urteil der Herren hier (zur Linken), obSie glauben, daß unsere indirekten Steuern ohne die schwerstenSchädigungen von 12 bis 13 Milliarden, die sie heilte er-bringen, auf den Betrag von nahezu W Milliarden hinauf-gebracht werdeu können, von dem heute der Herr Reichsfinanz-