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Schuldknechtschaft! : 155 Milliarden jährliche Reichsausgabe ; Reichstagsrede am 6. Juli 1921 / von Helfferich
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minister sprach. Machen Sie die Division mit 6V Millionen,deutschen Einwohnern, sehen Sie, was auf den Kopf kommt!(Znrnf von der äußersten Linken: Sie kritisieren Ihre eigenePolitik! Sie sind an allein schnld!) (sie sageil immer das-selbe! Ich dachte hier im Deutschen Reichstag, nicht in einemPapageihans zu sein. (Zurufe links und Gegenrufe rechts.)

Meine Damen uud Herren, uehmen Sie eine andere Re-lation, aus der Sie die Unmöglichkeit ersehen werden, hier zuRäude zu kommen. Nicht ein deutscher Sachverständiger, sondern,soviel ich weiß, die alliierten Sachverständigen haben das durch-schnittliche Einkommen iu Deutschland pro Kopf der Bevölke-rung bei der Brüsseler Konferenz auf 3900 Mark geschätzt.Machen Sie die Multiplikation mit 60, dann kommen Sie aufeiu Volkseinkommen von ungefähr 230 Milliarden. Von diesen230 Milliarden sollen 155 Milliarden Steuern, also zweiDrittel! erhoben und zum großen Teil an die Ententeabgeführt werden. Ist das eine Möglichkeit? (Lebhafte Ruferechts: Nein!) Das ist für das deutsche Volk unmöglich! Das wärefür jedes andere Volk uumöglich! Deuu das, was übrig bliebe,wenn nach den richtigen und vernünftigen Grundsätzen, dieder Herr Reichsfinanzminister aufgestellt hat, die dauerndenLasten durch laufende Steuern erhoben werden, ^ was danndem deutschen Volke übrig bliebe, das ist nicht genug zumleben, ist aber gerade genug zum sterben. (Lebhafte Zu-stimmung rechts. ^ Zurufe liuks.)

Ich sage also: schon die Papierbilanz beweist, daßau die Durchführnng dieser Steuern, an die Decknng desUltimatums aus 'Einnahmen des deutscheu Volkes über-haupt uicht zu deukeu ist. lZuruf liuks: Bitte, geben.Sie andere Mittel an!) Lassen Sie mich rnhig znEnde reden. (Zurus rechts: Es gibt eben keine anderen Mittel!) Sie (nach liuks) hätten vielleicht schon gehört, was ich zndiesem Punkte zu sagen habe, wenn Sie mich vorhin nicht fort-gesetzt unterbrochen hätten. Also zügeln Sie, bitte, Ihre Un-geduld.

Ich fahre im Text dessen, was ich auszuführeu habe,weiter fort. (Zuruf links : Milchmädchenrechnung!)Wir wärenalle sehr glücklich, weuu es sich nnr um eiue Milchmädchen-rechnung handeln würde.

Meine Damen und Herreu! Wie sieht uuu aber dieGoldbilauz aus, in der die wahren Ziffern desBudgetsder Reparationen" stehen? Einmal die Goldbilanz desDeutscheu Reiches, unserer staatlichen Organisation. Da mußich auf die Zahlen zurückgreifen, die ich vorhin nannte:zunächst '3,3 Milliarden Iahrcszahlnng für das Ulti-matum; dann die Besatzungskosten, die ich augenblicklich nichtniedriger als eiue Milliarde im Jahr veranschlagen kann. Ich