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Schuldknechtschaft! : 155 Milliarden jährliche Reichsausgabe ; Reichstagsrede am 6. Juli 1921 / von Helfferich
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will annehmen, daß davon für Sold nnd ähnliches, was an dieAlliierten in bar zn zahlen ist, 300 Millionen Goldinark ge-zahlt werden müssen; das ist niedrig veranschlagt; es ist inWirklichkeit wahrscheinlich erheblich mehr. Dann kommen wirauf 3,6 Milliarden. Dazu kommen die rnnd 500 MillionenGoldmark für die Ausgleichszahlungen. So gelangen wir aufmehr als Ä Milliarden Goldmark, die das Deutsche Reich inAusführung des Friedensvertrages heute nnd wenigstens nochfür einige Zeit an die Alliierten zn zahlen hat. Das ist dieGoldbilanz des Reiches.

Aber zu dieser Goldbilanz des Reiches kommt für dasdeutsche Volk uud seine Wirtschaft noch ein anderer Postenhinzu. Zn dieser Goldbilanz des Reiches kommt noch derPassivsaldo der Zahlungsbilanz der deutschen Volks-wirtschaft. Wie sieht dieser Passivsaldo ans? Unsere Ausfuhrstellt sich nach der letzten Zahl, die bekannt ist, ans rnnd 5 Mil-liarden Goldinark; nnsere Einfuhr kommt auf 7,3 MilliardenGoldmark. Unsere Handelsbilanz ergibt olso ein Defizit von2V- Milliarden Goldmark. Aber damit nicht genng. Wir warenvor dem Kriege ein Glänbigerland. Wir bezogen ans den,Auslande Zinsen aus fremden Wertpapieren, Erträgnisse ansKapitalanlagen im Auslande und ähnlichen Dingen mehr.Wir bezogen sehr erhebliche Einkünfte, mehrere Hnndert Mil-lionen Mark, ans unserer Schiffahrt, die verschwunden ist. Allediese Aktivposten unserer Zahlungsbilanz sind durch deu Friedenvon Versailles weggelöscht. Dazu kommt ein weiteres. Schonim Kriege hat sich die deutsche Volkswirtschaft an die aus-ländischen Volkswirtschaften verschulden müssen. Das hat nachdem Kriege, in der Revolution und bis zum henligen TageFortschritte gemacht nnd macht jede» Tag weitere Fortschritte.Womit bezahlen wir heute den Fehlbetrag unserer Handels-bilanz? Wir bezahlen ihn durch Schulden. (Zuruf links: WieSie im Kriege!) Das ist, wenn »ran sich auf eine» Dauerzustandvon 100 Iahren einrichtet, eine Unmöglichkeit. (Sehr richtig!rechts!) Wir müssen damit rechnen, daß heute bereits unsere Ver-schuldung nach dem Auslande und ich glaube auch hier uicht,daß der Herr Reichsfiuanzminister mir widerspricht beträchtlichmehr als 20 Milliarden Goldmark beträgt. (Reichsfinanz-minister Dr. Wirth: Das ist schwer zn schätzen!) Gewiß, esist schwer zu schätzen; aber ich weise darauf hin: es handeltsich nicht nur um die gewaltigen Kredite, die wir im Auslandeaufgenommen haben, sondern es sind auch uugeheure Beträge,die in Form von ausländischen Krediten in den verschiedenstenFormen heute schon im Inlande bestehen nnd für deren Ver-zinsung nnd eventuelle Rückzahlung die Gegenwerte in aus-ländischen Devisen, d. h. in Gold, nach dem Auslande remittiertwerden müssen. Ich mache aufmerksam auf den Bericht einer

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