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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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8 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

Innerhalb dieser sich selbst genügenden Gruppen gab es wohl bereitseine natürliche Arbeitsteilung, anknüpfend an die verschiedenartigeLeistungsfähigkeit der beiden Geschlechter und der Altersklassen, aberes gab noch keinen wirtschaftlichen Verkehr, vor allem noch keinenTausch. Damit fehlten die Voraussetzungen für ein Verkehrsinstrument,für ein Tauschmittel, kurz für das, was wir heute als Geld bezeichnen.

Ein wirtschaftlicher Verkehr konnte erst dann in Erscheinungtreten, nachdem sich innerhalb der nach aufsen isolierten, nach innenin gewissem Sinn kommunistischen Gruppen ein Eigentum entwickelthatte; denn nur was man besitzt, kann man an andere übertragen, seies unentgeltlich, sei es im Austausch gegen andere Güter.

Es kann hier nicht die Absicht sein, in eine Untersuchung überdie Entstehung des Eigentums einzutreten. Wenn wir das Eigentumganz allgemein als die vollständige und ausschliefsliche Herrschaft übereinen Gegenstand auffassen, in der Weise, dafs diese Herrschaft sowohldie Benutzung des Gegenstandes nach allen Seiten hin als auch diebeliebige Wiederholung der Benutzung in der Zeit einschliefst, so habenwir damit in dem Eigentum-die denkbar stärkste Steigerung der vorüber-gehenden Nutzung und der Benutzung, die lediglich zu einem einzelnenbestimmten Zweck erfolgt. Das Eigentum kann also beruhen auf derMacht des Eigentümers, sich die dauernde und vollständige Benutzungeines Gegenstandes zu erhalten, d. h. andere davon auszuschliefsen,oder auf der Anerkennung durch Sitte und Eeclit, wobei die Gesamt-heit an Stelle der Macht des Eigentümers das Eigentum garantiert.

Die Möglichkeit und das Bedürfnis nach einer dauernden und aus-schliefslichen Benutzung ist in Hinsicht auf die verschiedenen Güter,die in einer primitiven Wirtschaft in Erscheinung treten, verschiedenstark; und danach stuft sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch derProzefs der Eigentumsausbildung ab. Sowohl die geschichtlicheForschung als auch die Beobachtung von Völkerschaften, die jetzt nochauf ganz niedriger Kulturstufe stehen, haben gezeigt, dafs das Eigen-tum sich zuerst entwickelt hat an Dingen, die ihrer Natur nach sichfür einen ganz persönlichen Gebrauch besonders eignen, die infolgeihrer Beweglichkeit dem Besitzer überallhin, womöglich selbst ins Grabfolgen können, und die einer Benutzung durch die Allgemeinheit ammeisten widerstreben; ferner an Dingen, die das Ergebnis nicht ge-meinschaftlicher, sondern ganz individueller Arbeit sind. 1 ) So erklärtes sich, dafs Grund und Boden, der in gemeinschaftlicher Arbeit urbargemacht und bestellt wurde, am spätesten Gegenstand des Individual-

1) In dem Recht der indischen Geschlechtsgenossenschaft z. B. wird der Erwerbeiner persönlichen Geschicklichkeit, wie etwa das Erlernen eines Handwerks, alsdas hauptsächlichste Mittel zur Gewinnung eines Sondergutes genannt (Simmel, Philosophie des Geldes, S. 361).