1. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § 3.
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eigentums geworden ist, während sich das Eigentum zuerst ausbildetean Dingen wie Kleidung, Schmuck, Waffen, Werkzeugen, an Kriegs-beute, an Sklaven und Sklavinnen und schliefslich am Vieh; soweitunsere Forschungen reichen, war bei Nomaden- und Hirtenvölkernstets das Vieh, das einem Herrn folgen kann, Gegenstand des Sonder-eigentums, im Gegensatz zum unbeweglichen Boden, der Gemeinbesitzwar in einer kaum weniger allgemeinen Bedeutung als die Luft. Beieinzelnen Kategorien der genannten Güter ist die Ausbildung desEigentumsbegriffs, die absolute Verknüpfung der Sache mit der Person,eine ganz besonders starke geworden, wie das der bei vielen Natur-völkern nachgewiesene Brauch beweist, dafs dem Toten der indivi-duellste Teil seiner Habe, seine Frauen vielfach mit inbegriffen, insGrab mitgegeben wird, oft freilich auf Grund abergläubiger Vor-stellungen, die mit diesen Dingen des persönlichsten Gebrauchs dieSeele des Verstorbenen verknüpfen; aber gerade diese abergläubigeVerknüpfung von Person und Sache ist eben in sich selbst die stärksteZuspitzung des Eigentumsbegriffs.
An die Entstehung des Eigentums schliefsen sich bestimmte Formendes Eigentumswechsels an; vor allem die Form, an die man bei einer Be-trachtung des Geldes zunächst zu denken pflegt, nämlich der Tausch; frei-lich ist der Tausch bereits eine komplizierte Form des Eigentumswechsels,weil er eine zweiseitige Aktion ist, die eine Willensübereinstimmungzweier Individuen voraussetzt. Die primitivsten Formen desBesitzwechselswaren jedenfalls der Raub und das Geschenk, die heute noch bei manchenStämmen Polynesiens die einzige Form des Besitzwechsels sind. Raubund Geschenk sind einseitige Aktionen, hervorgehend aus dem Wollennur eines Individuums. Der Raub ist die gewaltsame Aneignung ohnedie Gewährung einer Gegenleistung, das Geschenk die freiwillige Ent-eignung ohne die Bedingung einer Gegenleistung. Vorteil und Nachteilliegen hier in vollem Umfang und ohne Ausgleichung auf nur einer Seite.
Aus diesen Formen heraus mag der Tausch in folgender Weiseentstanden sein:
Das Geschenk unter Gleichstehenden, z. B. unter Gastfreunden,fand seine Ergänzung am Gegengeschenk; und dieselbe Sitte, welchedas Gegengeschenk verlangte, bildete sich dahin aus, auch das Vor-handensein einer gewissen Relation von Geschenk und Gegengeschenkzu fordern. Damit haben wir eine Brücke, die zum eigentlichen Aus-tausch führt. In der That kommt es heute noch bei uncivilisiertenVölkerschaften vor, dafs der Tauschhandel sich in der Form des gegen-seitigen Beschenkens vollzieht. Sobald man schenkt um eines ganzbestimmten Gegengeschenkes willen, sobald anderseits das Gegenge-schenk nur gemacht wird, wenn ein ganz speciell gewünschtes Gut vorhergeschenkt worden ist, verwandelt sich das Schenken in ein Tauschen.