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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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10 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

Soweit die gewaltsame Aneignung in Betracht kommt, entstelltdie Überleitung zum Tausch dann, wenn der Eigentümer die Machtbesitzt, den vom Andern begehrten Gegenstand festzuhalten, und wenner so den Begehrenden nötigt, ihm eine entsprechende Gegenleistungzu bieten. Hier geht also der Tausch hervor aus der Machtgleichheitdes Besitzenden und des Begehrenden.

Der Schritt von den einseitigen Formen des Besitzwechsels zu derzweiseitigen des Tausches ist einer der bedeutsamsten in der mensch-lichen Kulturentwicklung. Schon Adam Smith hat hervorgehoben, dafsdie Neigung zum Tauschen etwas specifisch Menschliches sei und beikeinem andern Lebewesen gefunden werde. Er bat dabei dahingestelltgelassen,ob diese Neigung eine jener ursprünglichen Eigenschaftender menschlichen Natur ist, über die wir uns keine weitere Rechen-schaft geben können, oder ob sie, was wahrscheinlicher sein dürfte,die notwendige Folge der Denk- und Sprechfähigkeit ist". Neuerdingshat Simmel den Tausch als einen Ausflufsder ganz allgemeinenCharakteristik, in der das specifische Wesen des Menschen zu bestehenscheint", dargestellt.Der Mensch ist das objektive Tier. Nirgendsin der Tierwelt finden wir auch nur Ansätze zu demjenigen, was manObjektivität nennt, der Betrachtung und Behandlung der Dinge, diesich jenseits des subjektiven Fühlens und Wollens stellt. Gegenüberdem einfachen Wegnehmen oder der Schenkung, in denen sich der reinsubjektive Impuls auslebt, setzt der Tausch eine objektive Abschätzung,Überlegung, gegenseitige Anerkennung, eine Reserve des unmittelbarsubjektiven Begehrens voraus. Dafs diese ursprünglich keine frei-willige, sondern durch die Machtgleichheit der andern Partei erzwungenesein mag, ist dafür ohne Belang; denn das Entscheidende, specifischMenschliche ist eben, dafs die Machtgleichheit nicht zum gegenseitigenRaub im Kampf, sondern zu dem abwägenden Tausch führt, in demdas einseitige und persönliche Haben und Habenwollen in eine objektive,aus und über der Wechselwirkung der Subjekte sich erhebende Ge-samtaktion eingeht. Der Tausch, der uns als etwas ganz Selbstver-ständliches erscheint, ist das erste und in seiner Einfachheit wahrhaftwanderbare Mittel, mit dem Besitz Wechsel die Gerechtigkeit zu ver-binden; indem der Nehmende zugleich Gebender ist, verschwindet dieblofse Einseitigkeit des Vorteils, die den Besitzwechsel unter derHerrschaft eines rein impulsiven Egoismus oder Altruismus charak-terisiert."

Wenn nun, wie wir gesehen haben, der Tausch auf der Voraus-setzung des persönlichen Eigentums beruht, so hat anderseits zweifellosbei den meisten Völkern die Eigentumsbildung gerade durch eine be-stimmte Art des Tauschhandels eine Förderung erfahren, nämlich durchden Tauschhandel mit fremden, bereits weiter vorgeschrittenen Völker-