1. Kapitel. Die Entstehung des Geldes. § y.
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Schäften. Der Anreiz zum Tausch ist um so stärker, je verschieden-artiger die im Besitz verschiedener Personen befindlichen Güter sind;denn der Sinn des Tausches ist ja, dafs man etwas Anderes bekommenwill an Stelle dessen, was man hat. Innerhalb derselben Gruppe unddesselben Stammes, die auf primitiver Stufe eine grofse Einförmigkeitund Gleichartigkeit der Güterherstellung aufweisen, ist deshalb derAnreiz zum Tausch zunächst nur schwach; anders verhält es sich,wenn fremde Völker in Betracht kommen, die auf Grund anderernatürlicher und technischer Voraussetzungen andersgeartete Güter er-zeugen. So mag der Tausch in die einzelnen Gruppen und Stämmevielfach von aufsen hineingetragen worden sein, und der Aufsenliandelmag auf diese Weise vielfach die Priorität vor dem Binnenhandel be-anspruchen. Welch' ein starker Anreiz zum Tauschen liegt für wildeund halbwilde Stämme darin, wenn sie von unternehmungslustigenKaufleuten aus vorgeschrittenen Kulturkreisen aufgesucht und wennihnen alle möglichen verlockenden Gegenstände gezeigt werden, Dinge,welche sie bisher nicht kannten, und deren Herstellung ihnen ausnatürlichen und technischen Gründen unmöglich ist, wie Glasperlen,Baum wollzeuge, Eisenwaren u. s. w. Indem nun die Fremdlinge imAustausch gegen ihre Waren, welche die Begehrlichkeit der Wildenheftig anregen, ganz bestimmte andere Gegenstände verlangen, wieFelle und Pelze im Norden, Elfenbein, Kautschuk, Goldstaub u. s. w.in Afrika , lenken sie die Wilden darauf hin, diese Dinge planmäfsigfür den Austausch zu beschaffen. So trägt der Verkehr mit Fremdenwesentlich zur Förderung des Tauschverkehrs bei, und die Waren desAufsenhandels, sowohl die Einfuhr- als die Ausfuhrwaren, bilden überalleine der frühesten Kategorien derjenigen Güter, an welchen ein persön-liches Eigentum besteht. Mithin beruht nicht nur der Tausch auf derVoraussetzung des Eigentums, sondern die Möglichkeit des Tauscheshat anderseits zur Ausbildung des Eigentums erheblich beigetragen.
Der Tausch machte nun verschiedene Vorrichtungen erforderlich,die in einem viel weiteren Umfang als vorher dadurch notwendigwurden, dafs der Tausch die Herstellung einer Beziehung, einer Gleichungzwischen verschiedenartigen Dingen und verschiedenen Quantitätenvoraussetzt. Neben dem Zählen der Gegenstände wird jetzt das genaueMessen und Wiegen von Wichtigkeit, vor allem aber das Vergleichendes Wertes der auszutauschenden Güter.
Das Zählen bedurfte keinerlei künstlicher Vorrichtungen. Fürdas Abmessen benutzte man in primitiver Weise die am menschlichenKörper von der Natur gegebenen Dimensionen, wie den Arm, den Zoll,den Fufs, den Schritt. Die natürlichen Wagschalen sind die beiden Hand-flächen. Genaueres Wägen wurde zuerst notwendig bei den kostbarstenGegenständen. Während man anfänglich von den dünnen Goldspiralen