2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. § 1.
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schon 1148 in Urkunden, und es ist möglich, dafs das Wort Florenusvon den Blumen auf dem Gepräge dieser Goldmünzen hergenommenist, zumal da sie auch in Deutschland den Namen „Liliengulden" er-hielten. Um dieselbe Zeit tauchten die Dukaten auf, ob zuerst inApulien oder in Venedig, ist nicht aufgeklärt. Florenen und Dukatenscheinen ursprünglich identisch gewesen zu sein, entfernten sich aberbald von einander erheblich in Feinheit und Gewicht und bildetenzwei verschiedene Münztypen, die als solche mehrere Jahrhundertelang die Goldprägungen der europäischen Staaten beherrschten. Wiedie grofsen Silbermünzen unterlagen sie territorial verschieden starkenVerschlechterungen. Am besten hielten sie sich in Italien , am meistenverschlechtert wurden sie in Deutschland , namentlich nachdem dasRecht der Goldprägung im Jahre 1356 durch die Goldne Bulle den Kur-fürsten zugestanden worden war. Nach der dritten Reichsmünzordnungvon 1559, in welcher der Goldgulden (Florenus). und der Dukat alsReichsmünze anerkannt wurden, sollten aus der feinen Mark Gold93 45 /m Goldgulden und 67" 7 /ti Dukaten geprägt werden; bis 1737wurde diese gesetzliche Feingehaltsbestimmung nicht geändert.
Später erfuhren eine ähnliche internationale Verbreitung die vonSpanien ausgehenden Pistolen, welche das Vorbild der französischenLouisdor, der preufsischen Friedrichsdor u. s. w. geworden sind.
Wie im 13. und 14. Jahrhundert die Verschlechterung des Silbergeldesdas Aufkommen und die Verbreitung der neuen Goldmünzen beförderthatte, so hat im 15. Jahrhundert die Verschlechterung der Goldmünzen— neben der Steigerung der deutschen Silberproduktion — mit dazubeigetragen, dem Silber im Grofsverkehr wieder zu seiner alten Stellungzu verhelfen. In Venedig, dem wichtigsten Markt für das deutscheSilber, wurde schon im Jahre 1472 der Wert des Goldguldens in einerunerhört grofsen Silbermünze dargestellt. Dieses Beispiel fand Nach-ahmung zuerst bei den Erzherzögen Maximilian und Sigismund, die1479 und 1484 damit begannen, das Silber ihrer Tiroler Bergwerkein solche grofse Stücke auszumünzen, welche zunächst den NamenGuldengroschen erhielten. Von 1519 an wurde dieses Münzstück(= '/s Mark Feinsilber) in grofsem Umfange von den Grafen Schlick in Joachimsthal in Böhmen geprägt; die Münzen wurden nunmehr„Joachimsthaler" oder schlechtweg „Thaler " genannt. Aus diesemStücke sind die späteren „Silbergulden" und „Thaler ", die in der neuerendeutschen Münzgeschichte die wichtigste Rolle spielten, hervorgegangen.Der Silbergulden wurde in den Reichsmünzordnungen des 16. Jahrhundertsals die grofse Silbermünze des Reichs adoptiert. Die Thalerprägungwurde durch die Reichsmünzordnung von 1559 ausdrücklich unterVerbot gestellt, durch den Reichstagsabschied von Augsburg von 1566wieder zugelassen, und dieser Thaler , der „Reichsspeciesthaler", von