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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. § 3.

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wendig. So heifst es z. B. in der Generalwechselordnung' im Herzog-tum Schlesien vom 21. August 1738 in Art. XXX: ...lauten aberdie Wechselbriefe schlechthin auf Corrent oder erhöhet Kaisergeld, soist der Inhaber des Briefes von dem Acceptanten 17 kr. und 7 kr.(solche Stücke befanden sich damals im Umlauf!) oder kaiserlichen

Beichsthaler in Zahlung anzunehmen schuldig Wenn aber im

Wechselbriefe oder Assignaten keine Sorte am Gelde exprimieret ist,aber auch Corrent darinnen nicht enthalten, so kann die Zahlung auchin Dukaten oder in gewogener kleiner Münze geleistet werden".Noch im Jahre 1755 wandte sich der Magistrat zu Wesel an die Re-gierung mit der Anfrage, ob Obligationen, die ursprünglich auf Zwei-drittelstiicke des Leipziger Fufses oder auf Louisblancs gelautet hattenund dann durch die fridericianische Münzreform von 1750 in Thalerpreufs. Courant konvertiert worden waren, nur in ganzen, halben undviertel Thalerstücken oder auch in Acht-, Vier- und Zweigroschenstücken die alle gleichmäfsig vollwichtig waren! erfüllt werden könnten.

Nicht nur die thatsächlichen Wertschwankungen der einzelnenSorten, sondern auch das Fehlen eines rechtlichen Zusammenhangszwischen ihnen läfst die Merkmale eines einheitlichen Münzsystemsvermissen. Weil es damals nicht gelang, eine feste Wertrelationzwischen Gold- und Silbermünzen mit gesetzlichen Vorschriften durch-zusetzen, deswegen hat man geglaubt, diese Geld Verfassung nicht alsDoppelwährung" bezeichnen zu können. Man hat sie meistParallel-währung" genannt; aber auch diese Bezeichnung ist nicht ganz zu-treffend, weil die für die Parallelwährung wesentliche Unabhängigkeitund Unvertretbarkeit der Goldmünzen einerseits, der Silbermünzenanderseits nicht charakteristisch sein kann für eine Geld Verfassung,in der sowohl innerhalb der Goldmünzen als auch innerhalb der Silber-münzen die einzelnen Sorten in ihrem Wertverhältnis schwanken undsich gegenseitig nicht vertreten können. Nicht das NebeneinanderzweierWährungen", sondern das Nebeneinander einer Anzahl vonMünzsorten ist das Wesen des geschilderten Zustandes, und deshalbist dieser alsSortengeld" von den modernen Währungssystemen scharfzu unterscheiden.

§ 3. Das Problem der Einrichtung von Münz9ystemen.

Die bisherigen Ausführungen ergeben, dafs die Erfindung derMünze, so gewaltig der durch sie bewirkte Fortschritt war, doch keineErrungenschaft von ausschliefslichem Vorteil bedeutete. In zwei Be-ziehungen brachte die Münze einen Rückschritt. Die Wertbeständig-keit des Geldes wurde durch die verschlechterte Ausprägung, durchdie natürliche Abnutzung und betrügerische Verkürzung des Fein-gehaltes der Münzen stark erschüttert. Ferner entwickelte sich aus

Helfferich, Das Geld. 4