2. Kapitel. Die Entwicklung- der Geldsysteme. § 3.
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Entwicklung der Prägetechnik von den nur einseitig geprägten Blech-münzen des Mittelalters (Brakteaten) bis zu unsern modernen Mtinz-stücken, die vermittelst komplizierter und äufserst exakt arbeitenderMaschinen hergestellt und einem peinlich genauen Prüfungsverfahren(Justierung) unterworfen werden, ehe sie in Umlauf gelangen. Wieviel dadurch für ein geordnetes und einheitliches Münzwesen gewonnenwurde, leuchtet von selbst ein. Aber der technische Fortschritt, derdie Herstellung fast absolut gleichmäfsiger Stücke ermöglichte, hat ineinem Punkte nur in geringem Umfange Wandel schaffen können, näm-lich hinsichtlich der Verschiedenheit der Prägekosten der grofsenund der kleinen Münzstücke. 1 ) Heute noch sind z. B. die Kostender Prägung eines Zehnmarkstücks nicht geringer als diejenigeneines Zwanzigmarkstücks, mit andern Worten: die Kosten der Aus-prägung einer bestimmten Summe in Zehnmarkstücken sind ungefährdoppelt so hoch, als die Kosten der Ausprägung desselben Betrages inZwanzigmarkstücken. 2 ) Noch gröfser ist der Unterschied der Präge-kosten, wenn Silber- oder gar Kupfermünzen den Goldmünzen gegen-übergestellt werden.
Aus den relativ hohen Prägekosten der kleinen Münzen erklärensich zu einem guten Teil die ganz besonderen Schwierigkeiten derSchaffung und Erhaltung eines geordneten Umlaufs von Kleingeld. Diehöheren Prägekosten nötigten förmlich dazu, das Kleingeld unter demihm rechnungsmäfsig zukommenden Metallgehalte auszuprägen; dennnur durch einen Abzug vom vollen Metallgehalte konnte der Münzherrsich für die höheren Prägekosten schadlos halten; und die Auffassung,dafs der Münzherr im Interesse einer geordneten Geldcirkulationeventuell auch Verluste übernehmen müsse, lag jener Zeit, welche dasMünzrecht als ein nutzbares Regal ansah, noch durchaus fern. Ander-seits aber verstand man es damals noch nicht, das unterwertige Geldmit Kautelen zu umgeben, die ihm seinen den effektiven Metallgehaltüberschreitenden Nennwert gesichert hätten. Meist wurde das kleineGeld mit einem noch viel geringeren Feingehalte geprägt, als denhöheren Prägekosten entsprochen hätte, sodafs für die Münzherren geradeaus der massenhaften Prägung kleinen Geldes die gröfsten Gewinneerwuchsen. In solchen Fällen trat aber bald eine dem Minderfein-gehalte entsprechende Entwertung ein; es gelang nicht, das kleine Geldüber seinem Metallgehalte zu halten, und sobald sich dieser Ausgleichvollzogen hatte, waren die Münzherren, nur um auf ihre Prägekosten
1) Insbesondere Schmoller a. a. 0. hat auf dieses Moment nachdrücklich hin-gewiesen.
2) Die vom Reiche den einzelstaatlichen Münzstätten zu gewährende Prägever-gütung beträgt pro Pfund Feingold bei den Doppelkronen 2,75 Mark, bei den Kronendagegen 0 Mark. Vgl. Koch , Münzgesetzgebung. 4. Aufl. S. 7. 8. Anm. 9.
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