Druckschrift 
Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

62 Erstes Buch. L, Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

fühlbar gemacht hatten; so dringend war das Bedürfnis nach einemfesten Verhältnis zwischen Gold- und Silbergeld.

Das Gesetz von 1717, welches der Guinea gesetzliche Zahlungskraft(statt des bisherigen Maximalkassenkurses) zu 21 Schilling in Silbergeldbeilegte, und das Gesetz von 1718, welches jede künftige Änderung dieserTarifierung ausschlofs, bedeuteten die völlige Abkehr von der Parallel-währung und die Rückkehr zum Doppelwährungssystem.

Bei dieser neuen Doppelwährung war wie bereits erwähnt dasGold höher tarifiert als dem Wertverhältnis auf dem Markte entsprach.Da das letztere in den folgenden Jahrzehnten eine weitere Verschie-bung zu Ungunsten des Goldes erfuhr, stellte sich das Wertverhältnisauf dem Markte bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts für das Silberbeträchtlich günstiger, als die gesetzliche Relation, welche der gegen-seitigen Bewertung der englischen Gold- und Silbermünzen zu Grundegelegt war. Die Folge war. dafs wie früher in denselben Fällendas Silber der englischen Münzstätte fernblieb, und dafs es vorteilhaftwar, die durch die Umprägung von 16951698 auf ihr volles gesetz-liches Gewicht gebrachten Silbermünzen einzuschmelzen und als Barrenzu verkaufen. Es zeigte sich bald, dafs die ganzen gewaltigen Kostenfür die Umprägung der Silbermünzen umsonst aufgewendet waren.Alles vollwichtige Silbergeld verschwand, und im Umlaufe hielten sichnur Silbermünzen, die soweit abgenutzt waren, dafs sich ihre Ein-schmelzung trotz des hohen Silberpreises nicht lohnte. Die grofseMasse der Umlaufsmittel bestand aus den goldnen Guineas, die für allegrofsen Zahlungen benutzt wurden, und die Klagen darüber, dafs andem abgenutzten Silbergeide nicht einmal genug für den Bedarf deskleinen Zahlungsverkehrs vorhanden sei, wurden immer lauter, zeit-weise wurde sogar ein Agio auf das schlechte Silbergeld gezahlt; auchdie schlechte Beschaffenheit der umlaufenden Silbermünzen gab zugrofsen Beschwerden Anlafs. Aber diesen Mifsständen war auf demBoden der bestehenden Geldverfassung nicht abzuhelfen, da jede Neu-prägung und A"euausgäbe vollwichtiger Silberstücke nur Material fürdie Schmelztiegel der Edelmetallhändler lieferte. Vergeblich suchteman nach einem Auswege aus diesem Zustande, vergeblich suchte mannach einem Mittel, um die Vorteile des überwiegenden Goldumlaufs, dieman wohl zu schätzen wufste, mit der Erhaltung eines ausreichendenund geordneten Silberumlaufs zu vereinigen.

§ 6. Die Entstehung der Goldwährung.

Die selbstthätige Entwicklung der Dinge leitete schliefslich mitzwingender Gewalt auf den Weg, der aus diesem unhaltbaren Zu-stande herausführte.

Der nicht erneuerungsfähige Umlauf von Silbermünzen unterlag