68 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
des Verkehrs knapp genügenden, durch Abnutzung unter wertig ge-wordenen Silberuiulaufe; erst aus diesem thatsächlichen Zustande istdie Goldwährungstheorie hervorgegangen.
Wenn man die geschilderte Entwicklung in ihrer Gesamtheit über-blickt, so ergiebt sich:
Die Goldwährung entstand aus dem Bestreben nach einem einheit-lichen Münzsystem, innerhalb dessen beide Edelmetalle in einer ihrenbesonderen Eigenschaften entsprechenden Weise gleichzeitig im Umlaufsind, nachdem die Erreichung dieses Zieles auf dem Wege der Doppel-währung sich auf Grund der Erfahrungen von Jahrhunderten als un-möglich herausgestellt hatte. Alle Versuche, auf dem Wege der blofsenTarifierung von Gold- und Silbermünzen die. Schwankungen der Roh-metalle Gold und Silber zu bewältigen, waren immer und immer wiedervergeblich gewesen, und deshalb war es nicht gelungen, auf diesemWege Gold- und Silbermünzen zu einem geschlossenen System zu ver-einigen. Diese vergeblichen Versuche haben schliefslich mit elementarerNotwendigkeit dazu gedrängt, das Geldwesen auf das den Bedürfnissendes Geldverkehrs einer entwickelten Volkswirtschaft besser ent-sprechende Gold allein aufzubauen, die Silbermünzen von ihrem Metall-werte loszulösen und sie in das einheitliche System als ein Geld zweiterOrdnung, als ein Hilfsgeld und als blofse Scheidemünze einzufügen.
§ 7. Die Papierwährung.
Das Verhältnis des Geldes zu dem Geldstoffe hat im Laufe derbisher geschilderten Entwicklung folgende Wandlungen erfahren:
Geld und Geldstoff traten sich erst von der Erfindung der Münzean als etwas Verschiedenes gegenüber: Das gemünzte Metall erschienausschliefslich als das Geld, das rohe Metall als der Geldstoff. DieVerschiedenheit war ursprünglich nur eine rein formelle, denn anfangswar die Münzform nur als eine autoritative Beglaubigung einer be-stimmten Edelmetallquantität gedacht. Aber bald wurde dies gemünzteGeld eine selbständige Wertgröfse, sein Metallgehalt sank zumveränderlichen Substrat seines Wertes herab. Das Geld bestand beiallen Veränderungen seines Metallgehaltes als rechtlich identischeGröfse fort. Aber auch in diesem Zustande war der effektive (wennauch schwankende) Metallgehalt im grofsen Ganzen und auf die Dauerimmer noch bestimmend für den Wert der einzelnen Münzsorten.
Die Befreiung einer grofsen Kategorie von Münzen von der Ge-bundenheit an den Wert ihres Stoffes trat im weiteren Verlaufe derEntwicklung als eine prinzipielle Notwendigkeit hervor, als es sichum die Zusammenfassung der aus verschiedenen Metallen bestehendenGeldsorten zu einem einheitlichen Geldsystem handelte. Da eine Fest-legung des Wertverhältnisses zwischen den beiden wichtigsten Geld-