2. Kapitel. Die Entwicklung' der Geldsysteme. § 7.
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metallen nicht gelang, war ein einheitlicher Geldwert bei verschiedenenGeldstoffen nur zu erlangen dadurch, dafs man den Wert der Münzendes einen Metalls von dem Werte ihres Stoffes unabhängig machte undihn — statt zu dem eigenen Stoffe — in Beziehung setzte zu denMünzen des andern Metalls. Die Lösung des Problems ist in der imvorigen Kapitel geschilderten Weise gelungen in der modernen Gold-währung. Die zu einem Goldwährungssystem gehörigen Silbermünzenleiten ihren Wert nicht ab von ihrem Silbergehalte, sondern von dendie Grundlage des Geldsystems bildenden Goldmünzen und damit in-direkt von einem bestimmten Quantum Gold; der Wert der Silber-münzen ist bei der Goldwährung nicht mehr gegeben durch den Stoff,aus dem sie bestehen, sondern durch einen anderen Stoff, zu dem siekeinerlei äufserliche Beziehung haben. Bei den Silbermünzen inner-halb einer Goldwährung ist also die vollständige Trennung von Stoff-wert und Geldwert der Münzen vollzogen.
Aber diese Trennung ist keine vollständige in Hinsicht auf dieBeziehungen zwischen dem gesamten Geld einerseits und dem Metall-wert anderseits. Die Trennung ist nur vorhanden bei einem Teile desGeldes, bei den Silbermünzen und den kleineren Scheidemünzen ausunedlem Metall, während die Goldmünzen, welche die Grundlage desSystems darstellen, in ihrem Werte mit dem Werte ihres Goldgehaltesübereinstimmen. Da der Wert der Geldeinheit bei dieser Währungs-verfassung sich von den Goldmünzen ableitet, bleibt zwischen demGelde und dem Metalle Gold immer noch die engste Verbindung be-stehen: Der Wert des Geldes schlechthin, einerlei aus welchem Metalldie konkreten Münzen bestehen, ist abhängig vom Werte eines be-stimmten Stoffes, vom Werte des Goldes. Insofern ist mithin bei derGoldwährung das Band zwischen dem Gelde und der übrigen Güterweltnoch nicht zerschnitten.
Im Laufe der Entwicklung der neueren Zeit sind jedoch Währungs-systeme entstanden, bei welchen jede derartige Verbindung zwischendem Werte des Geldes und dem Werte eines dritten Wertgegenstandesfehlt, Systeme, bei welchen der Wert des Geldes von der ganzenübrigen Güterwelt unabhängig ist und sich ganz nach eigenen Ge-setzen bewegt.
Bereits im Altertum und Mittelalter kamen Versuche vor, dasseinen Wert in seinem Stoffe tragende Metallgeld zu ergänzen oder zuersetzen durch ein seinem Stoffe nach wertloses Zeichengeld. Nachdemsich infolge der Erfindung der Münze das Geld begrifflich als eine selb-ständige Güterkategorie, deren Herstellung in der Hand des Staateslag, entwickelt hatte, führte dieselbe Überschätzung der staatlichenThätigkeit bei der Schaffung von Geld und dieselbe Unterschätzungdes stofflichen Wertes der Münzen, welche die Münz Verschlechterungen