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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
70
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70 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.

veranlafst hatte, zu Versuchen, gänzlich wertlosen, aber mit einem be-stimmten staatlichen Zeichen versehenen Stoffen einen bestimmtenGeldwert zu verleihen. In der neueren Zeit ist das Papier der Stoffgeworden, aus welchem solches Geld ausschliesslich hergestellt wird.

Es waren namentlich die Geldbedürfnisse des Staates, die ebensowie zu Münzverschlechterungen auch zur Ausgabe von papiernen Geld-zeichen führten. Wie bei der Ausprägung geringerhaltiger Münzenwurde auch bei der Ausgabe solcher Geldzeichen erstrebt, sie auf demihnen beigelegten Geldwerte zu erhalten. Das wirksamste Mittel zudiesem Zwecke ist das Versprechen, die papiernen Geldzeichen auf Ver-langen zu ihrem Nennwerte in vollwertigem Metallgelde einzulösen.Diese Einlösung war von vornherein gegeben bei den von Privatenund von Banken ausgegebenen papiernen Geldzeichen, die ihrem Ur-sprünge nach nicht auf der staatlichen Befugnis, Zahlungsmittel zuschaffen, beruhten, sondern darauf, dafs sie Zahlungsversprechen vonals zahlungsfähig bekannten Leuten und Instituten waren. Dieseprivaten Kreditpapiere haben sich zu den Banknoten im modernenSinne entwickelt.

Solange die Einlösbarkeit nicht ein toter Buchstabe ist, sondernwirklich aufrecht erhalten wird, kann sich der Wert des vom Staateausgegebenen Papiergeldes und der Banknoten nicht von dem ihnenbeigelegten Werte in vollwertigem Metallgelde entfernen; der Wertder papiernen Geldzeichen leitet sich dann ab von dem Werte einesbestimmten Quantums des dem Währungssystem zu Grunde liegen-den Metalls.

In zahlreichen Fällen ist jedoch diese Stütze für den Wert derpapiernen Geldzeichen in Wegfall gekommen. An Stelle der Einlös-barkeit ist häufig sowohl bei staatlichem Papiergelde als bei BanknotenderZwangskurs" getreten, das staatliche Gebot, die vom Staate selbstoder von einer Bank ausgegebenen Zettel zu dem ihnen beigelegtenNennwerte ohne Rücksicht auf ihre Einlösbarkeit oder Uneinlösbarkeitin Zahlung zu nehmen.

Mit dem Wegfall der Einlösbarkeit hörten die Zettel auf, Forde-rungen auf Metallgeld zu sein, sie wurden zu einem selbständigen Gelde,sie hörten auf, ihren Wert von dem geschuldeten Metallgelde herzu-leiten. unterlagen vielmehr einer selbständigen Wertbildung, die sichvon dem Werte des ursprünglich geschuldeten Metallgeldes entfernte,aber doch nur in seltenen Fällen zu einer gänzlichen Entwertung,entsprechend dem wertlosen Stoffe dieses Geldes, hinführte.

Wo das Papiergeld in gröfseren Beträgen ausgegeben wurde undeine Entwertung gegenüber dem Metallgelde gleichen Nennwertes er-fuhr, äufserte sich das darin, dafs das Metallgeld anfing, ein schwan-kendes Aufgeld gegenüber dein Papiergelde zu geniefsen. Sobald Jeder-