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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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2. Kapitel. Die Entwicklung der Geldsysteme. § 8.

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Die thatsächliche Entwicklung des Rupienkurses war folgende:

Im ersten Jahre nach der Einstellung der freien Silberprägung tratein beträchtlicher Preissturz des Silbers ein. Der Londoner Silberpreisgiug bis auf 27 d in den ersten Monaten des Jahres 1894 zurück.Auch der Rupienkurs zeigte eine sinkende Tendenz, die jedoch in ihrerStärke weit hinter derjenigen des Silbers zurückblieb. Der tiefste KursAvurde erreicht mit 12 3 /4 d im-Jahre 1894, während dem gleichzeitigenSilberpreise (27 d) ein Kurs von nur 10 V-i d entsprochen hätte; selbstdamals hielt sich mithin der Wert der geprägten Rupie um 25 Prozentüber dem Werte ihres Silbergehaltes. Seither ist der Rupienkurs, un-abhängig von den Schwankungen des Silberpreises, allmählich und mitgeringen Unterbrechungen gestiegen, er erreichte Ende 1895 14 d,stieg bis Ende 1897 auf 15 '/a d und kam im Januar 1898 zum ersten-mal auf der erstrebten Goldparität von 1 (3 d an, auf der er sich seithermit geringen Abweichungen gehalten hat. Seit Anfang 1898 ist mithinder Goldwert thatsächlich bestimmend für den Wert der indischenRupie, während, ebenso wie beim niederländischen Geldwesen, infolgedes fast ausschliefslichen Silberumlaufs die Möglichkeit besteht, dafsder Wert der Rupie sich nach unten von der neuen Goldparität entferntund auf den Wert ihres Silbergehaltes herabsinkt.

Der dritte und interessanteste der hierher gehörenden Fälle istdas österreichische Geld von 1879 bis 1892.

Österreich hatte, wie bereits dargestellt, seit 1848 eine Papier-währung an Stelle der ursprünglichen Silberwährung. Der Wert desösterreichischen Papierguldens blieb in den ersten Jahren der Silber-entwertung verhältnismäfsig stabil gegenüber dem Gelde der Gold-währungsländer, und das Silberagio sank immer mehr, bis es schliefslichum die Wende der Jahre 1878 und 1879 gänzlich verschwand. Manhat diesen VorgangSelbstregulierung der österreichischen Valuta"genannt, weil ohne jede Mafsregel des Staates oder der Österreichisch -Ungarischen Bank sich der Gleichwert zwischen dem uneinlösbarenPapiergelde und dem Silbergulden von selbst ergeben hatte.

Von dem Augenblicke an, wo der Gleichwert zwischen dem Papier -und Silbergulden wieder hergestellt war, konnte sich nun bei einerweiteren Entwertung des Silbers gegenüber dem Golde das österreichischeGeld gegenüber dem Gelde der Goldwährungsländer nicht mehr, wieseither, nahezu stabil halten. Da infolge der freien SilberprägungJedermann für ein Pfund Feinsilber 45 Gulden erhalten konnte (nachAbzug von 1 Prozent Prägegebühr), konnte der Wert des Guldensnicht merklich über dem Wert von 1 /45 Pfund Silber stehen. Gingnun der Wert des Silbers gegenüber dem Golde zurück, dann mufstenotwendigerweise auch der Wert des österreichischen Silberguldensgegenüber dem Goldgelde des Auslandes zurückgehen. Der Papier-