80 Erstes Buch. I. Abschnitt. Die Entwicklungsgeschichte des Geldes.
gülden anderseits konnte nicht höher stehen als der Silbergulden, denn— ganz abgesehen davon, dafs der Papiergulden ursprünglich nur eineForderung auf Silbergulden darstellte — der Silbergulden war gesetz-liches Zahlungsmittel, mit dem alle Zahlungsverpflichtungen ebensogutwie mit Papiergulden erfüllt werden konnten.
Die österreichische Regierung war nun nicht gewillt, den Geld-umlauf des Landes mit dem sich zur Münze drängenden Silbergeideanfüllen zu lassen. Das früher so oft vergeblich angestrebte Ziel derWiederherstellung einer Silbercirkulation hatte infolge der währungs-politischen Umwälzungen aufgehört wünschenswert zu sein. Vor allemaber wollte man den Kurs des österreichischen Geldes in den Gold-währungsländern nicht durch den Rückgang des Silberpreises drückenlassen, und deshalb wurde in den ersten Monaten des Jahres 1879 aufdem Verordnungswege die freie Silberprägung aufgehoben.
Diese Mafsregel schuf in Verbindung mit dem Fortbestehen derUneinlösbarkeit des Papiergeldes einen ganz eigentümlichen Zustand.Bisher waren die Wertbewegungen des österreichischen Geldes nachunten hin unbegrenzt; da man keinen Anspruch hatte, für den stofflichwertlosen Papiergulden metallisches Geld zu erhalten, war die Mög-lichkeit einer unbegrenzten Entwertung des österreichischen Geldesgegeben. Diese Möglichkeit bestand auch 1879 weiter, da die Einlös-barkeit des Papiergeldes nicht wieder hergestellt wurde. Dagegenbestand bis 1879 für die Wertbewegungen des österreichischen Geldesnach oben hin eine Grenze an dem Silberwerte des Silberguldens. Durchdie Aufhebung der freien Silberprägung war diese Grenze beseitigt,und das österreichische Geld konnte sich, wie das niederländische von1873 bis 1875, unbegrenzt über seinen Silbergehalt erheben. Erstdurch die Reformgesetze des Jahres 1892, welche eine Goldmünze mitgesetzlicher Zahlungskraft einführten, wurde dem österreichischenGeldwerte nach oben hin in dem Goldäquivalent der neuen Rechnungs-einheit, der Krone, eine Grenze gezogen. Von 1879 bis 1892 dagegenkonnte sich der Wert des österreichischen Geldes sowohl nach obenals aucli nach unten hin ohne jede Grenze bewegen. Der thatsächlicheGang der Dinge war, dafs sich der Wert des Guldens über demimmer mehr sinkenden Silberwerte hielt, Schon im Jahre 1879 war derSilbergehait des Silberguldens nur noch 96,85 Kreuzer wert, und er gingweiter zurück bis auf 91,95 Kreuzer im Jahre 1886 und 84,69 Kreuzerim Jahre 1891.
§ 9. Die Bedeutung der von der metallischen Grundlage losgelöstenWährungen in der Entwicklungsgeschichte des Geldes.
Sowohl die Papierwährung als auch die metallischen Währungenmit beschränkter Prägung unterscheiden sich darin von den übrigen