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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
87
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:(. Kapitel. Edelmetallproduktion und Wertverhältnis. § 2. 87

so soll Sanherib laut einer Keilinschrift dein jüdischen König Hiskia eine Zahlung- von 300 Talenten Gold auferlegt haben, was bei Be-wertung des Goldtalentes auf etwa 70 000 Mark eine Summe vonetwa 21 Mill. Mark ergiebt. Sicherlich sind zur Zeit des lydischenKönigreichs in Kleinasien aus den Ablagerungen der Flüsse erheblicheMengen von Gold gewonnen worden. In Oberägypten und Nubien istregelrechter Goldbergbau in Quarzgängen betrieben worden; auch ausArabien, der Ostküste von Afrika und vielleicht auch von Indienist in jener Zeit Gold nach Vorderasien gekommen. Zur griechi-schen Zeit wurde auf Thasos, in Thrazien und Mazedonien Gold imWege des Bergbaus gewonnen; die Gruben wurden teilweise nochzur Römerzeit ausgebeutet. Zur Zeit des Polybius wurde viel Goldin den Schwemmlanden von A<pileja gewonnen. Reiche Erträge warfenvor allem die Goldwäschereien und Goldbergwerke in Spanien ab.Dazu kamen in der Kaiserzeit die Goldbergwerke im Gebiet desheutigen Salzburg und Kärnten soAvie in Dazien. Sicher hat in denersten Jahrhunderten nach Christi Geburt die Goldgewinnung sehr er-heblich abgenommen.

Was das Silber anlangt, so ist die Herkunft des zweifellos nichtunerheblichen Silberbestandes im babylonischen Gebiet bis zum heutigenTage noch unaufgeklärt. Die reichen Silberbergwerke Spaniens sindwahrscheinlich schon sehr frühzeitig (wohl bereits gegen Ende des2. Jahrtausends vor Christus) von den Phöniziern ausgebeutet worden.Später während der Glanzperiode Athens haben die Bergwerkevon Laurion stattliche Erträgnisse geliefert. Sporadisch wurde Silberauch in Cypern, Thrazien und Kleinasien gewonnen. Zur römischenZeit stammte die Silbergewinnung vorwiegend aus dem SilberbergbauSpaniens, der nach dem ersten Panischen Kriege zunächst von denKarthagern, dann von den Römern zu einer ganz neuen Blüte ge-bracht worden zu sein scheint. Ebenso wie die Goldgewinnung, zeigteauch der Silberbergbau in den ersten Jahrhunderten nach Christi(reburt einen unaufhaltsamen Rückgang; im 5. Jahrhundert scheint erim weströmischen Reich gänzlich aufgehört zu haben.

Das 5., G. und 7. Jahrhundert nach Christi Geburt hat bei nahezustillstehender Edelmetallproduktion und bei einem starken Abflufs vonEdelmetall nach dem byzantinischen Reich und dem entfernteren Ostenoffenbar eine aufserordentliche Verringerung des Edelmetallbestandesvon Westeuropa herbeigeführt.

Von der Karolingerzeit an hat die Gewinnung beider Metallewieder einen Aufschwung genommen. Die Goldwäscherei an denfranzösischen und deutschen Flüssen, die niemals ganz aufgehört hatte,scheint wieder mit gröfserem Nachdruck betrieben worden zu sein.Der Betrieb der Goldbergwerke in Ungarn und Siebenbürgen ist wahr-