88 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung' der Edehnetallverhältnisse.
scheinlich schon im 8. Jahrhundert wieder aufgenommen worden; um die-selbe Zeit sollen Goldfunde in Böhmen gemacht worden sein, wo die Gold-wäschereien vom 11. bis zum 14. Jahrhundert steigende Erträgnisselieferten. Der Höhepunkt der westeuropäischen Goldproduktion fälltauf das 15. Jahrhundert, in dem auch die salzburgischen Bergwerkeerhebliche Erträge abwarfen. Auch aus Afrika ist in jener Zeit durchden allmählich an Bedeutung und Ausdehnung gewinnenden HandelGold in gröfseren Beträgen nach Westeuropa gekommen.
Rascher als die Goldgewinnung scheint sich die Silberproduktionvon dem Tiefstande der drei Jahrhunderte vor der Karolingerzeit erholtzu haben. Für eine günstigere Gestaltung der Silberversorgung sprichtschon der Umstand, dafs der noch von den Merowingern festgehalteneGoldsolidus immer mehr durch das Silbergeld ersetzt worden ist, unddafs die von Karl dem Grofsen vorgenommene Neuordnung des Münz-wesens durchaus auf der Basis des Silbers beruhte. Vielleicht schonunter Pipin, jedenfalls aber unter Karl dem Grofsen waren die Silber-minen von Melle in Poitou im Betrieb. Im 9. Jahrhundert scheinen dieSilberbergwerke im Leberthal im Elsafs mit gutem Erfolg in Angriffgenommen worden zu sein; von der zweiten Hälfte des 12. Jahrhundertsbis gegen Ende des 15. Jahrhunderts hat jedoch der Betrieb wegentechnischer Schwierigkeiten (Wasserandrang) geruht. Nicht viel späterals im Leberthal wurde im Breisgau der Silberbergbau aufgenommen(urkundlich nachweisbar schon 1028); dazu kam der Silberbergbau inMaasmünster. Von erheblicher Bedeutung war die um das Jahr 970aufgenommene Silbergewinnung im Harz, die im 12. Jahrhundert einenHöhepunkt erreicht zu haben scheint. Dazu kam in der zweiten Hälftedes 12. Jahrhunderts die Silbergewinnung aus dem Mansfelder Kupfer-schiefer und die Inangriffnahme des Silberbergbaus in der Gegend vonFreiberg in Sachsen. Gröfsere Silberquantitäteii als irgend ein anderesProduktionsgebiet lieferte von Beginn des 13. Jahrhunderts an bis zumAusgang des Mittelalters Böhmen . Um die Wende des 13. und 14. Jahr-hunderts scheinen hier die gröfsten Ergebnisse erzielt worden zu sein.Auch Ungarn, namentlich die Gegend von Schemnitz , hat schon früh-zeitig Silber produziert.
Aufserhalb des Gebietes des heutigen Deutschen Reiches und Öster-reich-Ungarns war während des ganzen Mittelalters sowohl die Gold-ais auch die Silbergewinnung nur unbedeutend. Schweden, Norwegen ,Spanien und Italien lieferten nur geringe Beiträge.
Im ganzen blieb, trotz der relativen Steigerung, die Silberproduktionbis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts gering. Lexis schätzt die jähr-liche Silbergewinnung Europas für das 8. und 9. Jahrhundert auf etwa1 Million Silbermark (die Silbermark = 73 Sil berthaler = '/iso kg Silber),für das 10. und 11. Jahrhundert auf etwa 2 Millionen, im 12. und