4. Kapitel. Die Wandlungen im monetären Gebrauch der Edelmetalle. § 1. 121
höheren Werte in Zahlung nahmen, als der Marktrelation zwischenSilber und Gold entsprochen hätte. Bis zum Jahre 1717 war aller-dings der Privatverkehr nicht an den Kurs der öffentlichen Kassengebunden; wenn trotzdem die Guinea auch im Privatverkehr zu einemim Verhältnis zur Marktrelation der Metalle zu günstigen Kurs inZahlung genommen wurde, so war das nur möglich auf Grund derThatsache, dafs die vorgeschrittene englische Volkswirtschaft für dasGoldgeld ein sich immer mehr erweiterndes Verwendungsfeld bot. Inden Jahren 1717 und 1718 wurde dann formell ein Doppelwährungs-system eingeführt, die Guiuea erhielt einen festen, auch für den Privat-verkehr verbindlichen Kurs von 21 Schilling, und dieser Kurs entspracheinem Wertverhältnis von 1: 15,2. Thatsächlich hatte England damalsschon einen fast ausschliefslichen Goldumlauf, und da die neue gesetz-liche Relation für das Gold gegenüber der Marktrelation immer nochzu günstig war-, ist auch in der Folgezeit der englischen Cirkulationfast ausschliefslich Gold zugeflossen. Von 1701 bis 1816 wurden fürmehr als 90 Millionen Pfd. Sterl. Goldmünzen geprägt, an Silbermünzendagegen nur für 908 200 Pfd. Sterl. 1 )
Bemerkenswert ist, dafs die englische Doppelwährung nicht dieWirkung hatte, den gegenseitigen Marktwert der Edelmetalle in Über-einstimmung zu setzen mit der gesetzlichen Relation. Vielmehr ent-fernte sich das Wertverhältnis der beiden Metalle auf dem Markte inden auf die formelle Einführung der Doppelwährung folgenden Jahr-zehnten immer weiter von dem gesetzlichen Wertverhältnis. Der vonSoetbeer für das Jahrzehnt 1711 bis 1720 berechnete Durchschnittvon 1:15,15 kam der gesetzlichen Relation der englischen Doppel-währung 1 :15,2 sehr nahe; aber späterhin veränderte sich die Markt-relation bis auf 1 :14,56 im Durchschnitt des Jahrzehnts 1751 bis 1760.England hatte eben in jener Zeit kein Silber abzugeben; es hatte nureinen spärlichen und abgenutzten Silberumlauf. Infolgedessen vermochtees der relativen Wertsteigerung des Silbers nur insoweit entgegen-zuwirken, als es einen grofsen Teil des neuproduzierten Goldes bereit-willig aufnahm und dadurch den Einflufs der Steigerung der Gold-produktion auf den relativen Goldwert einigermafsen paralysierte. Dergewaltige Aufschwung der englischen Volkswirtschaft während des18. Jahrhunderts machte eine starke Vermehrung der Geldcirkulationüberhaupt und bei der Gröfse der Umsätze speciell des Goldumlaufsdringend wünschenswert.
Auch auf die monetären Verhältnisse der übrigen Länder scheintdie vermehrte Goldgewinnung um die Mitte des 18. Jahrhunderts einen
1) Kalkmann a.a.O. S. 64, 65; Lexis , Handwörterbuch der Staats Wissenschaften.IV. S. 90.