122 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetall Verhältnisse.
gewissen Einflufs ausgeübt haben. .Eine Zunahme der Goldcirkulationscheint damals fast überall eingetreten zu sein, namentlich in denwirtschaftlich am meisten entwickelten Ländern, wie in Frankreich .
Während jedoch in diesen Ländern der mit dem letzten Dritteldes 18. Jahrhunderts einsetzende neuerliche Umschwung in den Pro-duktionsverhältnissen der Edelmetalle wieder zum fast ausschliefslichenSilberumlauf zurückführte, hat England den einmal gewonnenen Gold-umlauf auch gegenüber den "Wandlungen in der Produktion und imWertverhältnis der Edelmetalle sich dauernd zu sichern verstanden,und zwar durch Mafsnahmen, die auf die Einführung der Goldwährunghinausliefen, und die bereits in dem Kapitel über die Entstehung derGoldwährung genauer dargestellt sind. Die rasche Abnahme der Gold-produktion nach der Erschöpfung der brasilianischen Goldfelder führtein Verbindung mit der fortgesetzt steigenden Silbergewinnung vonneuem zu einer Verschiebung des "Wertverhältnisses zu Ungunsten desSilbers. In der zweiten Hälfte der 90 er Jahre kam die Marktrelationauf einem Punkte an, welcher die Ausprägung von Silber auf derLondoner Münzstätte und das Einschmelzen der englischen Goldmünzenals lohnend erscheinen liefs. Da aber die Ersetzung des vorhandenenGoldumlaufs durch einen vorwiegenden Silberumlauf in England derRegierung und dem Parlament nicht wünschenswert erschien, wurdedie Einstellung der bisher formell freien Silberprägung verfügt (1798).Bei der Entwicklungsgeschichte der Geldsysteme hat uns dieser Vor-gang interessiert, weil er der erste Schritt zur Ausbildung der Gold-währung, zur wirksamen Zusammenfassung von Gold- und Silbermünzenin einem System war. An dieser Stelle haben wir seine Bedeutungfür den thatsächlichen Umfang der monetären Verwendung der Edel-metalle, insbesondere des Silbers zu würdigen.
Die Sperrung der englischen Münze für das Silber im Jahre 1798war die erste „Demonetisation" des Silbers. Wenn man den Vorgangnach seiner rein formalen Seite hin betrachtet, so wurde dem Silberein grofses und wichtiges Verwendungsgebiet verschlossen, und es liegtdeshalb nahe, von einer künstlichen Beschränkung der Silbernachfragevermittelst der Miinzgesetzgebung zu sprechen. Die Münzgesetzgebungerscheint hier zum erstenmal als unmittelbar bestimmend, in welchemUmfange die beiden Metalle zu Geldzwecken verwendet werden sollen,und sie scheint dadurch einen direkten Einflufs auf den gegenseitigen"Wert der beiden Metalle zu gewinnen. Damit taucht die grofse Streit-frage auf, welche später die „"Währungsfrage" in grofsem Umfange be-herrschen sollte: ob die Münzgesetzgebung die Ursache der Silberent-wertung sei, und ob durch die Münzgesetzgebung der Silberwert wiederhergestellt und befestigt werden könne.
Zur richtigen Beurteilung der Bedeutung, welche der Einstellung