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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
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124
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124 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung: der Edelmetall Verhältnisse.

verschiedene Behandlung der beiden Metalle eintrat, indem das Silberauf die Sphäre der kleinen Zahlungen, für die das Gold zu wertvollist, beschränkt wurde, während die Sphäre der gröfseren Zahlungen,für die das Silber als zu schwer und unbequem erschien, ausschliefslichdem Golde vorbehalten wurde. Diese Beschränkung des Silbergeldesauf einen bestimmten Kreis war gleichzeitig der erste und wichtigsteSchritt zur Herstellung eines einheitlichen aus Gold- und Silbermünzenbestehenden Geldsystems. So fand in der Goldwährung gleichzeitigdie bisher noch niemals vollkommen gelungene Zusammenfassung vonGold- und Silbermünzen, wie auch die den Bedürfnissen eines ent-wickelten Verkehrs entsprechende Begrenzung des Silberumlaufs einezweckentsprechende Verwirklichung.

§ 2. Die Entwicklung bis zu den kalifornischen Goldfunden.

Aufserhalb Englands war im 18. Jahrhundert und in den erstenJahrzehnten des 19. Jahrhunderts das Bedürfnis nach einem vor-wiegenden Goldumlauf noch nicht vorhanden. Die kleineren wirt-schaftlichen Verhältnisse boten für das Silber noch ein breites Ver-wendungsfeld; und wenn auch das um die Mitte des 18. Jahrhundertsin gröfseren Mengen eindringende Gold keineswegs ungern vom Ver-kehr aufgenommen wurde, so hat doch, als die Abnahme der Gold-produktion eintrat, während die Silberproduktion zu steigen fortfuhr,der Verkehr ohne merklichen Widerstand auf das Gold verzichtet.Der gemeinschaftliche Zug der Entwicklung des Geldwesens auf demeuropäischen Kontinent in den letzten Jahren des 18. und in der erstenHälfte des 19. Jahrhunderts ist die Thatsache, dafs das Silbergeld zurfast ausschliefslichen Herrschaft kam, so .verschieden auch die formelleGeldverfassung in den einzelnen Ländern war.

In Deutschland war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundertsaus dem Chaos des Sortengeldes heraus die Parallelwährung hervor-gegangen und zur Anerkennung gelangt. In dem Münzedikt Friedrichsdes Grofsen vom 14. Juli 1750, das für die spätere Entwicklung desdeutschen Münzwesens grundlegend geworden ist es führte den Thalermit einem Feingehalt von Vi4 köln. Mark Silber ein, aus dem unsereheutige Reichsmark hervorgegangen ist, in diesem Münzedikt wurdezwar der Wert der neuen preufsischen Goldmünze, des Friedrichsdors,auf 5 Thaler in Silber festgesetzt und die genaue Beobachtung derProportion zwischen Gold und Silber" befohlen (Ziffer 11 des Edikts).Aber dasselbe Edikt enthielt bereits die Bestimmung (Ziffer 5), dafsalle Verschreibungen auf Goldmünzen in Friedrichsdor, alle Verschrei-bungen auf Silbermünzen in Silbercourantgeld konvertiert und dem-entsprechend bezahlt werden sollten. Gold- und Silbermünzen konntensich mithin als Zahlungsmittel gegenseitig nicht vertreten, und damit