128 Erstes Buch. IL Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.
silberwährung nicht fixiert werden dürfe, sondern dem freien Spielvon Angebot und Nachfrage überlassen bleiben müsse. Auch solltediesen Münzen kein dauernder und fester Kassenkurs beigelegt werdendürfen; solche Tarifierungen sollten höchstens für 6 Monate Gültigkeithaben und dann auf Grund des durchschnittlichen Börsenkurses er-neuert werden. Den alten Landesgoldmünzen, deren weitere Prägunguntersagt wurde, gestand man allerdings auch fernerhin noch einenfesten Kassenkurs zu; aber die Regierungen sollten darauf Bedachtnehmen, diese Münzen allmählich zu beseitigen.
Auch die aufserhalb des Zollvereins stehenden deutschen Staatenhatten Silberwährung mit der einzigen Ausnahme der freien StadtBremen , in welcher eine Goldwährung bestand.
Die Sitte der Goldzahlung in bestimmten Fällen und Geschäfts-zweigen hat sich in den einzelnen deutschen Gebieten in verschiedenerStärke erhalten, am meisten in Hannover und Braunschweig ; in diesenStaaten haben auch weitaus die stärksten Goldprägungen stattgefunden.Aber auch hier war das Silber das vorherrschende Zahlungsmittel unddas eigentliche Landesgeld.
Im ganzen sind in den Staaten des heutigen Deutschen Reichs,soweit Nach Weisungen vorliegen, in dem Zeiträume 1764 bis 1871 aus-geprägt worden (nach Abzug der Wiedereinziehungen)
Goldmünzen 530,9 Mill. Mark
Silbercourantmünzen 1714,7 „ „Silberscheidemünzen 83,6 „ „
Davon befanden sich zur Zeit des Beginns der Münzreform nochim Umlauf:
Goldmünzen 95 Mill. Mark
Silbercourantmünzen 1456 „ ,,
Silberscheidemünzen 79 „ „
Während mithin die Ausprägung von Silbermünzen nur etwadreimal so stark war, als die Ausprägung von Goldmünzen, vermochtensich die letzteren auf Grund der geschilderten Verhältnisse so wenigim Verkehr zu halten, dafs der thatsächliclie Goldumlauf Deutschlands im Jahre 1871 nur den 16. Teil des Silberumlaufs ausmachte. —
Während in Deutschland die Entwicklung der Parallelwährungzu einem fast ausschliefslichen Silberumlauf und schliefslich zur gesetz-lichen Proklamierung der Silberwährung führte, kam Frankreich innerhalb eines Doppelwährungssystems zu einer vorwiegenden Silber-cirkulation, bis die kalifornischen Goldfunde einen Umschwung herbei-führten.
In Frankreich beharrte man während des 17. und 18. Jahrhundertsbei den Versuchen, den gegenseitigen Wert der Gold- und Silbermünzendurch gesetzliche Tarifierungen zu fixieren. Diese Tarifierungen wurden