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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
130
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130 Erstes Buch. II. Abschnitt. Die Gestaltung der Edelmetallverhältnisse.

begann und in England , zur Einstellung der freien Silberprägung führte,brachte am Anfang des 19. Jahrhunderts, zur Zeit als das Münzgesetzvon 1803 erlassen wurde, das Markt Verhältnis in annähernde Überein-stimmung mit der gesetzlichen Relation der französischen Doppelwährung.

Der Rückgang des relativen Silberwertes setzte sich jedoch in derersten Hälfte des 19. Jahrhunderts fort. Die weitere Abnahme derGoldproduktion, welche sich bis in die 20 er Jahre hinein erstreckte,wirkte zusammen mit der erfahrungsgemäfs in kriegerischen Zeitensteigenden Goldnachfrage. Vom zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhundertsan zeigte allerdings der Anteil des Goldes an der Produktion beiderEdelmetalle eine Zunahme, und auch das Wertverhältnis zeigte einevorübergehende Veränderung zu Gunsten des Silbers. Der GoldbedarfEnglands , das am Ende des 18. Jahrhunderts in die Papiergeldwirt-schaft geraten war und nunmehr durch umfangreiche Geldbeschaffungendie Wiederaufnahme der Barzahlungen vorbereitete, führte jedoch baldzu einer neuen Steigerung des relativen Goldwertes. Dazu kam alsein immer wichtigeres Moment die grofsartige Entwicklung des inter-nationalen Verkehrs, innerhalb dessen der englische Goldsovereign ingrofsem Umfange an die Stelle des spanischen Silberpiasters trat.

Diese Ursache bewirkte, dafs trotz der nachhaltigen Steigerungder Goldgewinnung von den 20 er Jahren an das Wertverhältnis aufdem Markte für das Gold dauernd günstiger war, als die gesetzlicheRelation in Frankreich . Namentlich in den 40 er Jahren zeigte sicheine ausgesprochene Tendenz zur weiteren Verringerung des Silber-wertes. Der Londoner Silberpreis sank im Jahre 1848 bis auf 58 '/-2 d,entsprechend einem Wertverhältnis von 1:16,12. Auch auf der PariserBörse ging der Goldpreis fortgesetzt in die Höhe. Gold und Silberwerden dort in Promillenprime" undperte" auf den Münzpreis be-rechnet. Der Aufschlag für Gold überstieg bereits im Jahre 1847 zeit-weise die Höhe von 20 Promille. Aus dem durchschnittlichen Gold-und Silberpreise des Jahres 1848 ergiebt sich ein Wertverhältnis von1 :15,94. Zeitweise stieg in jenem Jahre infolge der politischen Wirrender Aufschlag für Gold auf 65 Promille, während der höchste Auf-schlag für Silber nur 3 Promille betrug; das sich daraus ergebendeWertverhältnis ist 1:16,66.

Die Folge war, dafs die grofse Vermehrung, welche die französischeCirkulation in jener Periode erfuhr, ausschliefslich auf das Silber entfiel,während der Goldumlauf durch Einsclnnelzung und Export immer mehrzusammenschrumpfte. Von 1830 bis 1847 (für die frühere Zeit existierenkeine Zahlen) weist die französische Handelsstatistik eine überwiegendeAusfuhr von Gold auf. In 13 von den J 8 Jahren war eine Mehraus-fuhr zu verzeichnen. Insgesamt betrug der Ausfuhrtiberschufs 73 Mill. Frs.Dazu kommen die Beträge, die heimlich oder unter falscher Deklaration