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Das Geld / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
131
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4. Kapitel. Die Wandlungen im Gebrauch der monetären Edelmetalle. § 2. 131

ausgeführt worden sind, und der ganze industrielle Gold verbrauch inFrankreich selbst. In der gleichen Zeit fand ein ununterbrochenerZuflufs von Silber statt, der sich (nach Abzug der gleichzeitigen Aus-fuhr) auf 1692 Mill. Frs. stellte.

Die Silberprägungen auf den französischen Münzstätten beliefensich von 1820 bis 1850 auf 3186,5 Mill. Frs., die gleichzeitigen Gold-prägungen dagegen nur auf 483,4 Mill. Frs.; von 1842 bis 1847 wurdennur für 17,3 Mill. Frs. Goldmünzen geschlagen, bei einer gleichzeitigenSilberprägung von 427,8 Mill. Frs. Die Zahlen der Goldausfuhr zeigendafs die gleichzeitigen Einschmelzungen von Goldmünzen die Aus-prägungen beträchtlich überwogen haben. Das Goldgeld, das in Cirku-lation blieb, erhielt ein Agio. Die goldnen Zwanzigfrankenstücke no-tierten an der Pariser Börse ein Aufgeld, dessen Höchstbetrag in nor-malen Zeiten zwischen etwa 10 und 20 Promille schwankte, und dasin der Verwirrung des Jahres 1848 sogar bis auf 120 Promille stieg. 1 )Gegenüber den Schwankungen der Marktrelation von Gold undSilber gelang es mithin der französischen Doppelwährung weder dieGoldmünzen einwandfrei in das Geldsystem einzufügen, noch die beidenMetalle gleichberechtigt im Umlaufe zu erhalten. Gegen die Mitte des19. Jahrhunderts bestand die französische Cirkulation aus einem durch-aus überwiegenden Silberumlaufe und einem geringen Vorräte von Gold-münzen mit schwankendem Aufgelde. Auch hier ist also das Silber inder ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder zur nahezu aüsschliefs-lichen Herrschaft gelangt.

Ähnlich wie in Frankreich entwickelten sich die Verhältnisse in den-jenigen Ländern, welche das französische Frankensystem adoptierten, inBelgien, der Schweiz und in Italien ; nur dafs in diesen Länderndie Silberwährung ausdrücklich anerkannt wurde. So nahm das belgischeMünzgesetz vom 5. Juni 1832 den Silberfranken als Münzeinheit an,ohne die Prägung von Goldfranken anzuordnen oder zuzulassen.

Die Vorherrschaft des Silbers auf dem europäischen Kontinentwährend der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der feste Glaubean die Dauer dieses Zustandes wird am besten charakterisiert durcheine münzpolitische Mafsregel, zu welcher die Niederlande sich imJahre 1847, am Vorabend der gewaltigen Umwälzung der Edelmetall-und "Währungsverhältnisse, entschlossen.

Von allen mitteleuropäischen Staaten hatten in der ersten Hälfte,des 19. Jahrhunderts die Niederlande allein einen ansehnlichen Gold-umlauf. Durch ein Gesetz vom 28. September 1816 hatten sie eineDoppelwährung angenommen, der eine Relation von 1 :15,873 zu Grundelag. In dieser Kelation war das Gold im Verhältnis zur Marktrelation

1) Yergl. Lexis , Art.Doppelwährung" im Handwörterbuch der Staatswissen-schaften, Bd. III.

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